Einmal mehr bedient Vaughan die Klaviatur des Mysterie-Genres meisterhaft. Er schließt ein paar Nebenstränge wie die Beerdigung von Yoricks Mutter scheinbar ab, aber er knüpft direkt daran anschließend neue Stränge. Ich wette, dass Victoria nicht nur beiläufig Yoricks Foto entdeckt hat. Schließlich hat sie ja Yorick zu Beginn dieser Serie einmal getroffen.
Gleichzeitig erfährt der Leser den Grund für das Aussterben der Männer. Wunderbar ist, wie Vaughan gerade in dieser Sequenz mit den Charakteren spielt. Yorick, der buchstäblich ans Bett gefesselt ist, nimmt die Rolle des Lesers ein und versucht nachzuvollziehen, wie Alisons Vater durch die Sabotage der Experimente seiner Tochter die Katastrophe heraufbeschworen hat. Ursache für den Tod der Männer war im Grunde nichts Anderes als Neid, also ein niedriger Beweggrund. Und um der Ironie einen draufzusetzen, legt Vaughan Yorick die Worte in en Mund Das ist ja noch verwirrender als die Ketzer des Wüstenplaneten". Zufällig handelt es sich um den Roman, der mich davon abgebracht Herberts Saga weiter zu lesen, eben will allein dieser Band so verwirrend war. Was aber Vaughan tatsächlich damit bezweckt, ist, dass man als Leser nun langsamer weiterliest. Ich habe das zum Anlass genommen, die komplette Passage noch einmal zu lesen und habe sie dann auch erst voll und ganz durchdrungen. Wieder einmal versteht es Vaughan also mit einem simplen Kniff die Aufmerksamkeit des Lesers zu intensivieren.
Hierzu konträr verläuft das Verhältnis von Agent 355 und Rose, die ihrem Arbeitgeber, dem australischen Geheimdienst aus Liebe zu Dr. Allison Mann und Treue zu Yorick sowie auch Agent 355 kündigt. Agent 355 weiß dies natürlich nicht und misstraut der Agentin eines fremden Landes berufsbedingt auch weiterhin. So ist es nur logisch und von Vaughan konsequent umgesetzt, dass sie von Agent 355 für alles verantwortlich gemacht wird, was schiefgeht.
Agent 355 beweist einmal mehr, dass sie alles riskiert, auch ihr eigenes Leben, um die Mission zum Erfolg zu führen. Ich werde das Gefühl einfach nicht los, dass Vaughan im Abschlussband mit ihr noch was Großes vorhat.
Nicht sehr wunderli8ch ist, dass sich Vaughan auch einmal mehr einiger Rückblenden bedient, um das Verhalten und die Motivation seiner Charaktere dem Leser näher zu bringen. Doch, wie er das Anheuern Toyotas bei Alisons Vater erzählt und seinen Antrieb um das Konen schildert, ist meisterhaft. Er benötigt hierfür nur wenige Seiten, die erzähltechnisch unglaublich dynamisch sind und so auch die gegenwärtige Handlung mittelbar voranbringen.
Guerra und Sudzuka tun weiterhin das, was sie nun schon in den letzten acht Bänden getan haben. Sie lassen sich von dieser spannenden Handlung inspirieren und schaffen mit ihren Zeichnungen eine spannende und mystische Atmosphäre, wie ich sie in einer Comic-Serie dieser Art noch nicht erlebt habe.
Das Erscheinen des Abschlussbandes kann ich kaum erwarten - allein schon, weil ich das Gefühl habe, dass Vaughan noch ein paar Pfeile im Köcher hat.