Wer ist der erfolgreichste Rapper aller Zeiten? 2Pac? Eminem? Jay-Z? 50 Cent? Alle falsch! Die Antwort lautet: DMX. Kein anderer schaffte es bisher fünf Nummer 1 Alben in Folge abzuliefern und aufgrund der immer weiter sinkenden Verkaufszahlen wird sich das wohl auch nicht mehr ändern. Nach "Grand Champ", das für mich eher eine Enttäuschung war, wechselte DMX von seinem bisherigen Label Def Jam Recordings zu Sony BMG. Ob ihm das seine Fans übel nahmen? Zumindest verkaufte es sich nicht annähernd so gut wie die Vorgänger. Anders als bei "Grand Champ", auf dem noch massig Features vertreten waren, besann sich X hier wieder auf seine eigene Stärke und verpflichtete mit Busta Rhymes, Amerie, Styles P und Jadakiss nur wenige Stars, doch wie hießt es doch so schön: weniger ist oft mehr. So auch hier.
Die ersten drei Songs "We In Here", "I Run Shit" und "Come Thru (Move)" stammen alle aus den Händen Swizz Beatz', der uns mit diesen Produktionen zeigt, dass seine Zeit längst vorbei ist. Man hat es sich hier zu einfach gemacht. Sinnlos hart hämmernde Beats und ein DMX in alter American Pitbull-Manier, der sich verkrampft einen abschreit. Alles wirkt uninspiriert und schnell dahingeklatscht, als würde man meinen, nur weil es hart ist, kommt es bei Fans von X gut an. Einzig "Come Thru", das vom Beat her stark an Redman's "Let's Get Dirty" erinnert, kann etwas überzeugen, was an der Galavorstellung von Busta Rhymes liegt.
Mit dem Producer-Team The Tuneheadz und X' Ruff Ryders-Kollegen Styles P und Jadakiss kommt auf "It's Personal" endlich die gewohnte Qualität zurück. Straffe Basslines, eine düstere und kraftvolle Hintergrundmelodie und ein DMX in Bestform. Styles und Jada können da zwar nicht ganz mithalten, machen im Rahmen ihrer Möglichkeiten aber alles richtig. Seine vierte und letzte Chance nutzte Swizzie ausnahmsweise einmal und produzierte das entspannte und schön melodische "Baby Motha", bei dem es echt Spaß macht DMX zuzuhören, was auch für Sängerin Janyce gilt, die den Backgroundgesang übernahm.
Spätestens seit "Grand Champ" wissen wir, dass auch ein harter Hund wie DMX eine Schwäche für R'n'B hat. Dies spürt man auch auf dem ruhigen "Dog Love", welches ein schönes Klavierspiel und noch schöneren Gesang von Traumfrau Amerie beinhaltet. Zu gewohnter Härte findet der Dark Man mit "Wrong Or Right (I'm Tired)" zurück. Donnernde Beats, dröhnende Gitarrenriffs und anheizende Claps unterstützen einen DMX, der sich mal wieder die Sehle aus dem Leib rappt. Einzig Feature Bazaar Royale versaut seine Strophe mit verdammt schlechten Rhymes.
Etwas im Asia-Style, aber auch mit Schüssen und gelegentlichen Streicher-Einsätzen ausgestattet, zeigt sich das ebenfalls härtere "Give 'Em What They Want", ein recht ordentlicher Track, aber kein wirkliches Highlight. Deutlich besser wäre da die Uptempo-Nummer "Walk These Dogs", die mit einer unglaublichen Intensität und Power rüberkommt und mit Rapperin Kashmir einen wirklich starken Gast bietet.
Die restlichen Songs von "Year Of The Dog...Again" sind alle etwas ruhiger gehalten. Gerade hier kann DMX seine lyrische Klasse voll ausspielen. So geschehen u.a. bei "Goodbye", einem echten Hit. Eine wunderschöne und traurige Pianomelodie, die sofort unter die Haut geht, trifft auf einen X, der seine gefühlvolle Seite auspackt, was man besonders bei seinem gesungenen Refrain zu spüren bekommt. Ungefähr ähnlich tiefgründig und emotional ist "Life Be My Song". Zu guter Letzt erreicht man mit Hitsingle "Lord Give Me A Sign" das Ende des Albums. Zwar wieder mit Gitarrenriffs und bissigen Raps ausgestattet, gehört dieses Lied trotzdem zu den etwas ruhigeren und ernsteren Songs.
Trotz seiner anfänglichen Startschwierigkeiten entwickelt sich "Year Of The Dog...Again" zum weiteren Top-Album von DMX. Für X-Verhältnisse ist es mit 13 Songs ungewöhnlich kurz, doch genau das ist die Stärke, denn anders als Vorgänger "Grand Champ", das Streckenweise wirklich stinklangweilig war, wirkt diese Platte gerade in der zweiten Hälfte sehr kurzweilig und spannend. An seine besten Werke "It's Dark And Hell Is Hot" und "The Great Depression" kommt "Year Of The Dog...Again" zwar bei Weitem nicht ran, dennoch sollten sich Fans vom Dark Man dieses wirklich gelungene Werk nicht entgehen lassen.