Im Februar 2005 veröffentlichte der Wissenschaftler Alan Weisman im "Discover Magazine" einen Aufsatz unter dem Titel "Earth Without People", den er einige Jahre später zu dem Buch "The World Without Us" - nun ja - "erweiterte". Gegenstand beider Schriften ist ein faszinierendes Gedankenexperiment: Was geschähe mit und auf der Erde, wenn die Menschen von heute auf morgen - aus welchen Gründen auch immer - verschwänden? Nach 2 Tagen wären die New Yorker U-Bahn-Schächte überflutet, nach 20 Jahren der Panama-Kanal verschwunden, nach 500 Jahren stünden Wälder, wo sich heute noch Vororte finden, und so weiter. Um es vorwegzunehmen: Die Lektüre des Aufsatzes genügt aus meiner Sicht völlig, das Buch ist mitunter doch etwas langatmig. Für die deutsche Ausgabe spricht, dass das amerikanische Original stellenweise jedenfalls für mich sehr schwer zu lesen war, für das Original spricht - wie so oft - das wunderschöne Cover. Anders als sein deutsches Pendant bringt es, in gut ausgewählten Farben und auf sehr zurückhaltende Weise, das Thema des Buches auf den Punkt: Was passiert, wenn der Mensch mit einem Mal verschwindet? Allein die Überlegung, dass die Suche nach Antworten auf diese Frage zum Beispiel in der Entmilitarisierten Zone zwischen Nord- und Südkorea beginnen könnte, weil sich dort seit 1953 praktisch keine Menschen mehr aufgehalten haben, während das Gebiet zuvor über 5000 Jahre von Reisbauern bewohnt und bewirtschaftet wurde, ist in meinen Augen so faszinierend, dass sie die Lektüre des Buches oder zumindest des Aufsatzes lohnt.
Fazit: Ein hochinteressantes Gedankenexperiment, eine wunderbare Idee. Leider im Buch nicht optimal umgesetzt.