Hurra, der Metal-Underground ist so lebendig wie schon lange nicht mehr. Kein Monat vergeht, an dem man nicht eine weitere hochtalentierte Nachwuchs-Band für sich entdecken kann. Für jeden begeisterten Metal-Fan ist das natürlich eine tolle Sache: Denn was alten Genre-Ikonen wie IRON MAIDEN , JUDAS PRIEST oder den dank 15jähriger Formschwäche zur bloßen Karikatur verkommenen MANOWAR (hihi!) schon längst abgeht, dass wird bei jungen Acts wie ENFORCER , VANDERBUYST , METAL INQUISITOR oder GRAVEYARD zur mit Leichtigkeit gemeisterten Herzensangelegenheit. Hier gibt es frischen, gitarrenverliebten Metal/Rock-Sound der alten 80er-Schule, der für jeden Headbanger zweifellos zum Pflichtprogramm gehören sollte.
Ganz hoch im Kurs stehen hier u.a. die beiden Schweden-Newcomer von PORTRAIT und IN SOLITUDE, die den Szene-Underground seit einigen Jahren praktisch im Gleichschritt aufmischen. Auffällig ist hierbei nicht nur, dass beide Bands stilistisch einige Gemeinsamkeiten haben. Denn neben der Vorliebe für NWOBHM-Helden wie IRON MAIDEN oder DIAMOND HEAD schwebt speziell der starke Einfluss von MERCYFUL FATE bzw. KING DIAMOND über beiden Bands. Zudem erschienen der PORTRAIT-Zweitling "Crimen laesae majestatis divinae" sowie das brandneue IN SOLITUDE-Album "The world, the flesh, the devil" kurioserweise fast zeitgleich, weswegen beide Scheiben zur unstrittigen Pflichtanschaffung in diesen Wochen gehören.
Im Detail zeigen sich dann schnell die Unterschiede: Während PORTRAIT teilweise sehr verspielt an die Sache rangehen - die Gitarristen duellieren sich hier wirklich mit feinen Solo-Kapriolen! -, fühlen sich IN SOLITUDE eher im gradlinigen Mid-Tempo zu Hause. Auffällig ist hierbei auch eine coole Seventies-Schlagseite ("Rainbow rising" gefällig?), die "The world, the flesh, the devil" beinahe schon in direkte Nachbarchaft zu Occult-Rockern wie GHOST oder THE DEVIL'S BLOOD katapultiert. Die Songs des 8-Trackers sind dabei sehr düster, mystisch und überzeugen über die komplette Spielzeit durch unnnachahmlichen Gruselfaktor. Ohne einen einzigen Ausfall zaubert sich das Schweden-Quintett durch Songs wie das treibende "We were never here" , "Poisoned, blessed & burned" , "To her darkness" oder den Eröffnungs-Titeltrack, um den Hörer ganz tief in ihr Band-Universum eintauchen zu lassen. Schon beim ersten Durchlauf wird dem Hörer dabei bewusst, hier "Ohrenzeuge" etwas ganz besonderem zu sein. IN SOLITUDE haben ein tadelloses Gespür für treffsichere Düster-Hits, deren pechschwarzer Atmosphäre sich eigentlich kein gestandener, qualitätsbewusster Metalhead entziehen kann. Wenn das Wort "okkult" in letzter Zeit schon sooo inflationär benutzt wird, dann trifft es hier allemal zu. Und auch wenn das wahllose Aufzählen von Anspieltipps sich eigentlich erübrigt: Das mit klasse Refrains aufwartende Triple "Demons" , "Serpents are rising" , "Dance of the adversary", sowie der sich voller Spannungen dahinwindende Longtrack "On burning paths" wird in diesem Jahr wohl von kaum einer anderen Metal/Rock-Band getoppt werden. Da lege ich mich jetzt schon fest! Ohne übertriebene Effekthascherei regiert hier einfach nur großartig-zeitloser Stromgitarren-Sound aus dem 80er-Lehrbuch, der mit jedem weiteren Durchlauf an Strahlkraft hinzugewinnt. Zwar kann man die erwähnten MERCYFUL FATE-Anleihen teilweise an allen Ecken und Enden herauszuhören, und auch so mancher Basslauf erinnert schon fatal an Steve Harris in Glanzzeiten...IN SOLITUDE sind aber insgesamt sowas von eigenständig, dass man vor dieser Band nur den Hut ziehen kann. Auf "The world, the flesh, the devil" sitzt nicht nur jeder Ton an der richtigen Stelle, sondern weiß auch durch eine tolle Oldschool-Produktion (made by Fred Estby!) zu überzeugen. Komplettiert wird der Silberling durch seine stilvolle Aufmachung, so dass für den CD-Käufer selbst das Booklet-Schmökern zum Aha-Erlebnis wird.
Fazit: IN SOLITUDE haben das Kunststück fertiggebracht, dem altehrwürdigen Oldschool-Metal ihre ganz eigene Note zu verleihen. Zu "The world, the flesh, the devil" kann es eigentlich keine Zweitmeinung geben - alles andere als 5 Sterne wäre ein dreister Witz. Diese Band wird unbeirrt ihren Weg gehen...wenn ihr schlau seid, dann geht ihr verdammt nochmal mit.