Vom Tellerwäscher zum Millionär, das ist das amerikanische Credo. Und viele Reiche haben es vorgemacht. Es gibt sie zwar noch, die Bill Gates oder Michael Dells, aber wie sieht es für die Mehrheit aus? Seit Jahrzehnten konzentriert sich das Kapital immer stärker bei Wenigen. Während am oberen Ende horrende Gehälter bezahlt werden, bleiben immer mehr Amerikaner bei den gesetzlichen Mindestlöhnen stehen. Reallöhne und Kaufkraft sinken, und immer mehr Menschen fallen unter die Armutsgrenze - mittlerweile 42 Millionen Amerikaner oder alarmierende 20% der Bevölkerung.
Shipler hat die Erfolgsaussichten der Armen im Paradeland des Kapitalismus untersucht. Er hat eine Reihe von Menschen unterhalb der Armutsgrenze - darunter Verkäufer, Gastarbeiter, Randgruppen - bis zu 6 Jahre lang begleitet, und er zeigt auf, dass es für die meisten Armen gar keinen Ausweg aus der Spirale gibt. Noch soviel Fleiß, sogar ein Zweitjob helfen da nichts.
Pulitzer-Preisträger Shipler überzeugt dabei weniger durch Theorie, sondern durch Interviews vor Ort, Fakten und massive Beispiele. Seine langjährige Erfahrung als Reporter bei der "New York Times" garantiert eine professionelle Recherche. Shipler sucht auch nach den Ursachen und den Mechanismen dieser Abwärtsschraube: mangelnde Ausbildung, ein marodes Gesundheitssystem, fehlende Integration, Überschuldung. Alles auch in Deutschland akute Themen. Die Situation wurde zusätzlich verschärft durch die drastischen US-Sozialreformen der vergangenen Jahre - Reformen, die in Deutschland gerade in der Diskussion sind. Vielleicht können wir hieraus lernen, ansonsten sollten wir uns warm anziehen.