...I chose honest arrogance and have seen no occasion to change" (Frank Lloyd Wright). Frank Lloyd Wright (1867-1959) bleibt bis heute einer der revolutionärsten und wirkungsmächtigsten Architekten der USA. Zudem faszinierte und provozierte er seine Zeitgenossen mit einem Privatleben, welches selbst heute die reizüberfluteten Konsumenten des Medienzeitalters für ein paar Sekunden aus ihrer Lethargie reißen würde und im prüden Amerika der ersten Hälfte des vergangenen Jahrhunderts radikal mit als unantastbar geltenden moralischen Konventionen brach. Im Zentrum des Romans stehen die Ehen Lloyd Wrights mit Catherine Tobi, Maude Miriam Noel und Olgivanna Lazovich Milanoff sowie die Beziehung zu seiner Geliebten Mamah Borthwick Cheney.
"Die Frauen" wird erzählt aus der Sicht des japanischen Architekten Sato Tadashi, der zwischen 1932 und 1941 auf Wrights Anwesen Taliesin im ländlichen Wisconsin lebte, wo er eine Art Akademie für vielversprechende und zahlungswillige Nachwuchstalente eingerichtet hatte. Sato erzählt die Geschichte seines Idols anhand der Beziehungen des Maestros zu seinen Frauen. Dementsprechend ist der Roman in drei Teile gegliedert mit den jeweiligen Titeln "Olgivanna", "Miriam" sowie "Mamah". Bemerkenswert ist, dass der Erzähler mit der aktuellsten Beziehung Wrights beginnt, um sich anschließend zurück in die Vergangenheit zu arbeiten, so dass einzelne zu Beginn erwähnte Aspekte erst im weiteren Verlauf der Handlung für den Leser zu erschließen sind. So gelingt es Boyle auf beeindruckenden Art und Weise die Ikone, die er uns zu Beginn des Romans präsentiert, Stück für Stück und für den Leser miterlebbar zu entmystifizieren.
Und was muss dieser Frank Lloyd Wright für eine Person gewesen sein, so faszinierend und abstoßend zugleich. Folgendermaßen wird er von Miriam charakterisiert, als er sie für die 30 Jahre jüngere Olgivanna verlassen will: "He was impossible, the single most infuriating human being she'd ever met, what with his God complex and his perfectionism [...] the utter soul-crushing desolation of rural Wisconsin where he all but kept her prisoner [...]. Of course she'd left him. But that didn't mean she didn't love him still" (42). Verstärkt wird die Wirkung der Hauptperson durch die Reaktion seiner Zeitgenossen, für die er aufgrund seiner als amoralisch und gottlos empfundenen Lebensweise als die Verkörperung des Antichristen erschien. Dabei entsteht im Verlauf der Handlung der Eindruck, dass der Verstoß gegenüber Konventionen ein bestimmendes Element im beruflichen als auch im privaten Leben des Architektens gewesen ist. Seine Einstellungen gegenüber Gesetzen und Regeln formulierte Wright folgendermaßen: "I want to say this: laws and rules are made for the average. The ordinary man cannot live without rules to guide his conduct. It is infinitely more difficult to live without rules, but that is what the really honest, sincere, thinking man is compelled to do" (390). Hier definiert sich Wright als Übermensch im Sinne Nietzsches, der alle tradierten Moralvorstellung ablehnt und einzig und allein aus sich selbst heraus Werte und Normen erschafft, nach denen er zu Leben gedenkt.
Fazit: "Die Frauen" begeistert von der ersten bis zur letzten Seite. Das liegt an der schillernden Hauptfigur des Romans, der herausragenden Rhetorik T.C. Boyles und der gewählten Erzählperspektive, in der das unkonventionelle Leben der Hauptfigur aus der Sicht eines höflich-reservierten Japaners berichtet wird, der sich so seinem Idol zu nähern versucht. Es bleibt zu erwähnen, dass der Roman nicht für sich in Anspruch nimmt, biografisch korrekt zu sein. Vielmehr sollen in dieser fiktionalen Rekonstruktion bestimmende Wesensmerkmale einer Person und einer Epoche verdichtet und für den Leser nachvollziehbar dargestellt werden.