Dieses Jahr feiern Sugarplum Fairy ihr 10jähriges Bestehen - dabei sind die Jungs gerade mal zwischen 23 und 25 Jahren alt. Reife Leistung. Und im Gegensatz zu vielen Altersgenossen bleiben die fünf Schweden dabei erstaunlich gelassen. Klar, auf der gerade angelaufenen Europatour bleibt dabei die ein oder andere peinliche Rockstargeste nicht aus (inklusive Nackigmachen für die Mädels in Reihe 1), doch das ist so was von verschmerzbar, funktionieren die Songs des neuen Longplayers "The Wild One" doch ganz hervorragend. Und das nicht nur auf der Bühne, sondern auch auf CD.
Allerdings täuscht der Titel und das Retro-Cover lenkt auch eher in die falsche Richtung: Noch nie klangen die Zuckerpflaumen besser produziert, noch nie so gestriegelt. Das mag manchen Fan ein wenig verschrecken, von wegen der ganzen "authetischen Indie-Aura und so", aber Fakt ist, dass wirklich alle Tracks der neuen Scheibe absolut umwerfend sind. Eine Drteiviertelstunde enormer Powerrock, der sich erfreulich entfernt hat von Vergleichbarem aus dem Norden wie z.B. den Hives, deren Retro-Schreddelrock ganz unheimlich schnell langweilte. Sugarplum Fairy entwickeln sich weiter, nutzen offensiv Bläser und Tasten, die den rundherum frischen Songs zusätzliche Würze verleihen.
Ein Album ohne Füller macht es eigentlich unmöglich, besondere Anspieltipps zu geben, aber "The Wild One" hält doch ein paar besondere Perlen bereit, ohne deren Hören man nicht in die Grube einfahren sollte: Der Opener "The Escapologist" ist der partytauglichste Hit des Jahres, das steht ohne Frage fest. "You cannot kill Rock 'n Roll" ist astreiner Powerrock mit mächtig Wumms. "In Berlin" ist der sanfteste Song der Platte und ein himmlisches Stückchen süße Melancholie, ohne auch nur ansatzweise nach Kitsch zu stinken. Und mit "Kick It Up" gibt's sogar so was wie Stadionrock - groß und zum Mitgrölen.
Mit "The Wild One" setzen Sugarplum Fairy eine bemerkenswerte Karriere souverän fort, ja mehr als das, sie verbessern sich kontinuierlich, und das auf sehr hohem Niveau. Und auch wenn der Sound sich ein wenig professionalisiert hat, so tut dies der Energie, die die Jungs besitzen und in Songs umsetzen, keinerlei Abbruch - im Gegenteil, die Produktion baut den Sugarplums ein stabiles Fundament für die Dinge, die da noch kommen werden. Und wenn die Jungs in Interviews - ganz die Profis - das neue Album als das bezeichnen, wie sie immer klingen wollten, glaubt man sogar, dass das kein Marketing-Argument ist. Denn wer so klingt wie "The Wild One", der möchte das auch.