Nach dem ich vom Album THE SCARECROW mehr als begeistert war, habe ich mir natürlich auch die beiden aktuellen Alben zugelegt und ein Weilchen auf mich wirken lassen. Nach dem ersten Hören beider Alben war ich zunächst etwas enttäuscht, doch spätestens nach dem dritten oder vierten Hören entwickeln sich sowohl THE WICKED SYMPHONIE als auch ANGEL OF BABYLON ihre ganze Klasse. Hier möchte ich jetzt auf THE WICKED SYPMPHONIE eingehen.
Schon der titelgebende Opener zeigt, welch genialer Songschreiber Tobias Sammet ist. Mit einer Spielzeit jenseits der 9 Minuten entwickelt sich der Song zu einer wahren Metaloper, die von Tobias Sammet, Jorn Lande, Russel Allen und Oliver Hartmann perfekt dargeboten wird.
Mit WASTELAND folgt der erste Kracher des Albums. Ein eingängiger Refrain und die unverwechselbare Stimme von Michael Kiske machen diesen Song zu einem echten Knüller. Ein Anspieltip für alle, denen das Album angeblich zu soft ist.
Weiter geht es mit SCALES OF JUSTICE. Die Vocals übernimmt Tim 'Ripper' Owens, der schon bei der Metallegende Judas Priest vor dem Mikro stand. Ebenfalls ein fetter Kracher.
Mit DYING FOR AN ANGEL folgt dann der Promosong des Albums, den Tobias Sammet zusammen mit Klaus Meine von den Scorpions performt. Ein toller Song, der an die allerbesten Zeiten der Hannoveraner Hardrocker erinnert. Zusätzliche Gänsehaut bekommt der Hörer durch den Kinderchor im letzten Drittel des Songs. Ein fast radiotauglicher Song, der Avantasia auch neue Hörerschichten einbringen sollte.
Mit BLIZZARD ON A BROKEN MIRROR folgt ein weiterer Rockkracher, bei dem Tobias von Andre Matos unterstützt wird.
Track 6 ist schließlich der Höhepunkt des Albums. RUNAWAY TRAIN ist eine neunminütige Rockoper in sich. Eine kraftvolle Ballade, bei der Tobias von Jorn Lande und Bob Cately unterstützt wird. Klasse Melodie, ein eingängiger Refrain und die Stimmgewalt der drei Akteure machen den Song zu einem der besten Avantasiasongs überhaupt.
Mit CRESTFALLEN folgt ein Track, der zum Stammrepertoire eines jeden RockDJs gehören sollte. Doch keine Angst, der Song ist immer noch tough genug, um alle Headbanger zu begeistern.
In FOREVER IS A LONG TIME stellt Jorn Lande einmal mehr unter Beweis, warum er zu einer festen Größe im Avantasia Line-up geworden ist. Seine Stimme ist einfach unverwechselbar.
Bei BLACK WINGS greift dann der Mastermind himself wieder zum Mikro. Ein düsterer Song, der seine ganze Kraft erst nach mehrmaligem Hören entfaltet.
Das dem Album zum Ende nicht die Kraft ausgeht, zeigt eine Perle wie STATES OF MATTER, in der Russel Allen beweist, das er mit Sängern wie Jorn Lande oder Michael Kiske absolut mithalten kann.
Beendet wird das Album mit THE EDGE, einem ruhigeren Song, der sicher nicht zu den besten Avantasiasongs gehört, aber auf fast jedem andren Hardrockalbum zu den Perlen zu zählen wäre.
Insgesamt schließt THE WICKED SYMPHONIE nahtlos an die Klasse von THE SCARECROW an. Das Album braucht zwar ein paar Durchgänge, um den Hörer wirklich zu überzeugen, wirkt aber dafür um so nachhaltiger. Besonders lobenswert ist die musikalische Vielfalt, die Tobias Sammet sowohl auf diesem Album, als auch auf ANGEL OF BABYLON anbietet. Einige Rezensenten haben beklagt, dass die beiden Alben insgesamt einiges an Durchschnittsware enthielten. Diesen Eindruck kann ich nicht bestätigen. Beide Alben präsentieren eine Vielzahl hervorragender Songs und sind in sich absolut stimmig. Für jeden Liebhaber härterer Musik sind diese Alben ein absoluter Pflichtkauf.