"The Kids are alright" ist nicht nur eine der besten der mittlerweile zahlreichen Who-DVDs, sondern eine der besten Rock-Dokus überhaupt. Rund 25 Who-Songs von 1965-1978 sind als Promofilme bzw. als TV- oder Livemitschnitte zu sehen, gewürzt mit diversen Interviewauszügen mit den Bandmitgliedern oder auch anderen Prominenten wie Ringo Starr. Sorgfältige bild- und klangtechnische Restauration bringt den Hauptfilm auf 109 Minuten Länge (zum 5.1-Mix kann ich mangels Anlage keine Angaben machen). Die Performance von Who are you zeigt Keith Moons letzte Studioaufnahmen und Won't get fooled again seinen letzten Liveauftritt mit den Who; er starb vor der Filmpremiere. Angesichts von Pete Townshends Hörproblemen finde ich die kurze Szene bezeichnend, in der er sich im Gespräch mit Keith Moon darüber kaputtlacht, dass ihm bereits Ende der Siebziger jemand riet, sich schon mal auf das Ablesen von Lippen vorzubereiten.
Meine DVD von 2004 weist nur englische Untertitel samt Songtexten auf. Das ausführliche Booklet ist angelehnt an das des '79 parallel zum Film erschienenen Soundtracks (die remasterte CD erschien 2000).
Richtig interessant wird die DVD zusätzlich durch die Bonus-Disc. Wegen des Fehlens jeglicher Untertitel muss man nicht nur auf diverse amerikanische und britische Akzente gefasst sein (besonders Daltrey macht es einem nicht ganz leicht), man sollte auch in Studiotechnik etwas bewandert sein. Dann allerdings macht die DVD richtig Spaß: Produzent, Colorist, Soundmixer und Editor der DVD demonstrieren, mit welchen digitalen Mitteln sie Bild und Ton restauriert haben, und in anschaulichen Vorher-Nachher-Vergleichen lassen sich die Ergebnisse bestaunen. Seit Mitte der Achtziger war nur eine VHS-Version erhältlich (die auch für die Laserdisc verwendet wurde), die ihrerseits eine Kopie der 3. oder 4. Generation und im Laufe der Zeit so beschleunigt worden war, dass der Film zehn Minuten eher fertig war, was u.a. zur Folge hatte, dass die Ansagen von TV-Moderatoren oder Daltreys Gesang stellenweise recht mickymausig klangen. Für die DVD wurde der komplette Mitschnitt von A Quick One (entstanden am 10.12.'68 beim Rock'n'Roll Circus der Stones) wieder re-installiert; kurioserweise scheint mir allerdings dessen Bildqualität auf dieser DVD schlechter zu sein als auf der Stones-DVD "Rock'n'Roll Circus" aus demselben Jahr.
Bei den beiden für den Film ausgewählten Songs Baba O'Riley und Won't get fooled again (Shepperton '78) kann man zwischen vier bzw. sechs verschiedenen Kameraeinstellungen wählen oder aber sich mittels der "Ox Cam" nur John Entwhistles Bassspiel anschauen und anhören, getrennt vom Bandsound; auch Nichtmusiker werden von Ehrfurcht ergriffen!
Die Bonbons sind die beiden Interviews mit zwei von drei möglichen Hauptpersonen (Townshend ist diesmal leider nicht dabei): im 25minütigen Interview mit Roger Daltrey erinnert sich dieser an die Explosion beim Auftritt in der Smothers Brothers Comedy Show '67, den Effekt, den der Rohschnitt des Films auf Keith Moon hatte, der dabei seinen körperlichen Verfall im Zeitraffer nachempfinden musste, und weckt (unverdient, wie sich herausstellen sollte) hohe Erwartungen an die damals im Entstehen befindlichen Aufnahmen zum ersten neuen Who-Album seit 1982, das 2006 als "Wire & Glass" erschien.
Schließlich äußert sich Regisseur Jeff Stein im Interview (29 Min.) zu seiner Idee, den Film auf die Beine zu stellen, die Who davon zu überzeugen und Sponsoren zu finden, Filmmaterial zu lokalisieren, die technischen Schwierigkeiten zu überwinden und letztendlich die Who davon zu überzeugen, "die definitive Version von Won't get fooled again" für seinen Film einzuspielen - was ihnen meiner Meinung nach auch gelungen ist!