Eine WHO Biographie auf Deutsch! Allein für den Mut, den bereits vorhandenen Printveröffentlichungen dieses Werk entgegenzusetzen, gebührt dem Autor ein großes Dankeschön. Das Buch ist (sehr) detailreich und besticht durch große Sachkenntnis. Und auch wenn deutlich zu erkennen ist, dass Christoph Geisselhart ein engefleischter WHO-Fan ist, gelingt es ihm doch meistens, kritische Distanz zu seinen Idolen herzustellen, was ich als sehr angenehm empfunden habe. Besonders Pete Townshends allzugroße Klappe bekommt dabei ganz schön ihr Fett weg. So viel zum Positiven . . .
Das Buch lässt sich also weitgehend flüssig lesen. Dennoch muss auch angemerkt werden, dass sich Christoph Geisselhart mitunter zu sehr in Anekdoten und Anekdötchen verzettelt. Da versinkt er dann geradezu detailversessen in Nebenschauplätzen und vergisst dabei, zum eigentlichen Thema zurückzukehren. So wird z.B. der ausufernde Umgang mit Drogen immere wieder in allen Einzelheiten geschildert aber gleichzeitig, für meine Begriffe, oftmals auch zu sehr verharmlost. Das klingt dann manchmal so, als ob ein paar Teenager mit ihren Erfahrungen prahlen. Partylaune pur . . . Ob das nach dem x-ten Exzess tatsächlich noch die eigentliche Story voranbringt, bleibt fraglich. Ich hätte mir an dieser Stelle gewünscht, dass das ganze zugunsten eines besseren Erzählflusses etwas mehr gerafft worden wäre. Vielleicht hätte man den Ausführungen deutlich mehr begleitendes Bildmaterial zur Seite stellen können. Das hätte dann mehr gezeigt, als Worte auch nur im Ansatz erklären können. Das Fehlen von Fotos ist daher auch das große Minus der Biographie.
Die Rezensionen zu den einzelnen Alben und Liedern sind ok, ähneln aber für meine Begriffe, wenn auch vereinfacht, sehr stark den Ausführungen von Chris Charlesworth in seinem Buch "Story & Songs Compact", welches ich dann auch beim Anhören der Alben aufgrund seiner übersichtlicheren Handhabung vorziehe.
Um eine Biographie über die verrückteste Rockband der Welt in so einem epischen Umfang zu schreiben, muss man schon eine Besessener oder ein Irrer sein. Um das ganze auch noch zu lesen, muss man wahrscheinlich genauso bekloppt sein - ich schließe mich da nicht aus! Zumal dieses Buch für mich nur eine Komponente des WHOschen Lesevergnügens darstellt.
Um THE WHO in vollem Umfang verstehen und genießen zu können, reicht das Buch leider nicht aus. Daher habe ich mir meinen eigenen Weg gebastelt, Christoph Geisselharts Werk zu ergänzen:
1.) Parallel zu "Maximum Rock" habe ich mir den (zugegebenermaßen nicht unbedingt perfekten) Bildband "A Tribute to The Who: Fotografien, Live, Studio und Backstage" von Marcus Hearn und Thorsten Wortmann zurechtgelegt. Das entschädigt wenigstens ein bisschen für das fehlende Bildmaterial.
2.) Beim Anhören der Alben, habe ich es mir nicht entgehen lassen, parallel zum Buch die Linernotes der CDs zu studieren. Dadurch erhält man manchmal sogar noch zusätzliche Informationen. Lücken die Christoph Geisselhart gelassen hat, werden dadurch gefüllt. Darüber hinaus habe ich es als sehr hilfreich empfunden, "The Who - Story & Songs kompakt" von Chris Charlesworth, Ed Hanel, und Marie Mainzer zu lesen. Die "Story & Songs kompakt"-Reihe mit Veröffentlichungen über Led Zeppelin, Pink Floyd, und vielen anderen ist an sich ist schon ein Kracher.
3.) Wenn man den Exzess noch weitertreiben will, kann oder sollte man sich die allbekannten DVD-Veröffentlichungen zulegen. Genannt seien hier nur "The Who - Amazing Journey: The Story of the Who / Six Quick Ones", "The Who - The Kids Are Alright" und die diversen Konzertmitschnitte, wie "Live at the Isle of Wight" und "Live at Kilburn" 1977". Darüber hinaus Halte ich die CD-Box "30 Years of Maximum R'n'B" für ein absolutes MUSS. Ob die vollkommen abgedrehte "Tommy"-Verfilmung von Ken Russell oder das wesentliche bessere "Quadrophenia" von Franc Roddam das Sehvergnügen abrunden, muss jeder für sich ausmachen.
Fazit: Nachdem meine WHO-CDs allzulange im Schrank verstaubt sind, habe ich Christoph Geisselharts Buch zum Anlass genommen, mich endlich mal wieder (und diesmal systematisch) in die Musik reinzuhören! Dabei habe ich einige Blüten wieder- bzw. neuentdeckt. Allein dafür verdient die Biographie, obwohl sie nicht perfekt ist, 1000 Sterne. Um die Geschichte jedoch in vollem Umfang genießen zu können, muss man sich schon weitere Materialien zulegen und finanziell leider ganz schön tief in die Tasche greifen. Ob man dafür nun den ein oder anderen Punkt abziehen könnte oder nicht, sollte jeder für sich entscheiden. Ich finde es wie gesagt schon sensationell, dass es diese Buch überhaupt gibt.
So . . . und jetzt freue ich mich auf die Veröffentlichung des 2. Bands . . . es gibt noch einiges zu entdecken!