Für diesen Film wurde alles zusammengebracht, was für einen guten, durchaus anspruchsvollen und doch Mainstream-tauglichen Film spricht: das bewährte Produzenten-Regie-Team Merchant-Ivory, das für so gelungene Klassiker wie "Howards End"", "Room With A View"" und R"emains of the Day"" steht, Wong Kar-Weis herausragender Kameramann Christopher Doyle, kein Geringerer als der Erfolgsautor Kazuo Ishiguro hat das Drehbuch geschrieben, mit Ralph Fiennes, Natasha Richardson und den Redgraves wurden sehr gute Schauspieler verpflichtet, und schließlich wurden weder Mühe noch Kosten gespart an der opulenten Ausstattung mit einem Heer von Statisten und dem Einbau einer Szene wunderbarster russischer Kleinkunst.
Und doch will das Feuerwerk nicht so recht zünden, bleibt man als Zuschauer seltsam auf Distanz und bleibt schließlich enttäuscht zurück.
Die Geschichte spielt im politisch brodelnden und atmosphärisch an das Berlin der 20er Jahre erinnernde Shanghai. Der blinde amerikanische Ex-Diplomat Jackson (Ralph Fiennes) treibt sich nur noch in Nachtclubs herum und will schließlich selbst den allerheißesten von allen eröffnen. Als er eine alleinerziehende adlige Exilrussin (Natasha Richardson) kennenlernt, sieht er die Zeit gekommen, mit ihr den Club zu führen und sie zugleich von ihrem tristen Prostituierten-Dasein zu befreien. Doch deren Verwandte wollen sich mit ihrer Tochter und ohne sie nach Hongkong absetzen, denn sie glauben, sie sei eine schlechte Mutter. Zeitgleich zu der geplanten Flucht besetzen die Japaner Shanghai und es bricht ein Chaos aus, in dem die Russin und Jackson die Tochter suchen und zu sich holen wollen.
Dass der Film nicht so richtig funktionieren will, scheint mir überwiegend am Drehbuch zu liegen, das insbesondere die den Film tragende Hauptfigur Jackson nicht wirklich tief genug und wahrhaftig ausarbeitet. Seine Motivation, diesen Club zu gründen, sein sich der Liebe zunächst Verweigern und dann doch Eingehen ist nicht wirklich nachvollziehbar, die Figur bleibt im schlechten Sinne enigmatisch, so dass der Zuschauer nicht wirklich mitgehen kann. Am Ende ist es ein schön ausgestatteter Film, der nicht wirklich schlecht ist, aber gegenüber anderen Merchant-Ivory-Produktionen blass und flach bleibt. Schade, denn an den durch die Bank guten Schauspielern liegt es nicht. Übrigens auch nicht an dem, was gelegentlich als "kammerspielartig" bezeichnet wird. Es stimmt, dass der Film im Lauf der Geschichte an Spannung gewinnt, aber das rettet nicht die blasse Figurenzeichnung.