West Wing ist bereits in der 1.Staffel auf sehr hohem Niveau gestartet, schafft es aber, sich hier noch einmal zu steigern. Es sind v.a. vier Dinge, die diese Verbesserung ausmachen:
* Neben die vielen kleinen Geschichten des Regierungsalltags der Bartlet-Gruppe, auf denen in der 1.Staffel noch fast komplett der Fokus liegt, treten nun stärker längerfristige Handlungsstränge, im speziellen der Umgang mit der Erkrankung des Präsidenten und die Frage seiner erneuten Kandidierung. Der Rhythmus für den Wechsel zwischen den übergreifenden Handlungssträngen und den 'kleineren' Geschichten ist dabei meist sehr gut gelungen.
* Damit einher geht eine gewisse Verringerung des Tempos. Das mag manchen nicht gefallen, aber ich finde es gut. Die Serie 'atmet' und 'lebt' dadurch mehr. Es ist ein stärkerer Wechsel zwischen schnelleren und langsameren, nachdenklicheren Momenten, eben eher wie das 'echte' Leben.
* Die Kameraeinstellungen, Motive und Dialoge werden einfallsreicher, überraschender, eigenwilliger. Während in Staffel 1 vieles noch hochwertig, aber doch 'klassisch' wirkte, werden hier ungewöhnliche Perspektiven eröffnet, die an die Qualität von Sopranos, Six feet under und Deadwood erinnern.
* Die Hauptcharakter sind nicht mehr so eindeutig 'gut' wie in der 1.Staffel, wo ich sie z.T. zu perfekt fand. Sie machen Fehler, haben Fehler und haben ernsthaftere Konflikte miteinander.
Die eben skzzierte Entwicklung deutet sich bereits in den beiden komplexen ersten Folgen an, in der Zeitebenen intelligent und komplex (aber m.E. immer verständlich) miteinander verschachtelt werden, ist dann bis Folge 13 nur z.T. zu sehen, aber dann in den letzten Minuten von Folge 14 bewegt sich die Serie in einem Gespräch zwischen Präsident und First Lady plötzlich sprunghaft und ergreifend auf das neue, für mich höhere Niveau, auf dem sie ab diesem Moment bleibt. Ganz große Klasse! Jetzt nicht mehr nur noch für den, der an zwar intelligenter Fernsehunterhaltung, aber doch eher 'Unterhaltung' interessiert ist, sondern auch für den Liebhaber eines visuellen quasi-literarischen Ansatzes von modernen Serien.