Die Staffel erwartet man beim Sehen mit viel Spannung, da es die erste nach dem Abgang des ursprünglichen Erfinders Aaron Sorkin war. Das könnte für eine solche Serie, natürlich ein Schock sein. Ist es aber m.E. nicht. Wenn ich es nicht gewusst hätte, dann hätte ich es sicher nicht gemerkt. Die Geschichten werden weiter routiniert erzählt, handwerklich gut gemacht, mit guten Spannungsbögen im großen und kleinen, klugen Dialogen, guten Schauspielern, schöner Fotografie.
Ich denke, dass die Fortsetzung für die anderen Autoren auch nicht so schwierig war, weil West Wing - im Vergleich z.B. zu den Sopranos, Deadwood oder Six Feet under - eine konventionellere Erzählweise hat. Qualitativ und handwerklich weit über dem, was sonnst so zu sehen ist, aber eben schon klassisch, so dass der nächste gute Autor, der sein Handwerk gelernt hat, die Geschichten genauos erzählen kann.
Die Staffel hat für mich absoluten Serienstandard. Man findet wenig absolute Highlights, aber das ist bei den anderen Staffeln auch so. Es sind weiter hochwertige, einzelne Geschichten aus dem Weißen Haus, etwa um die Besetzung eines Platzes am höchsten Gericht (Gaststar: Glenn Close), die jährliche State of the Union, diverse Gesetzesinitiative, ein Enthüllungsbuch des ehemaligen Vizepräsidenten, außenpolitische Krisen u.a..
Interessant sind die ersten beiden Folgen um die Entführung der Präsidententocher. Sie verdeutlichen, was einmal der Ansatz der Serie war (der sonst nicht immer konsequent durchgehalten wurde), nämlich den Blickwinkel streng auf die Mitarbeiter um den Präsidenten und deren Sicht der Dinge zu haben und anderes auszublenden. Die eigentlich dramatische Entführungsgeschichte spielt nur am Rande eine Rolle. Es geht fast nur um die politischen Prozesse und Bewertungen, die sich in diesen Tagen tun. Das ist ein wenig komisch, weil man doch mehr über die eigentliche Entführung wissen möchte, aber dann auch wieder irgendwie interessant.
Alles in allem weiter TV-Unterhaltung auf höchstem Niveau, wenn auch ohne die echten Highlights, die man noch nach Jahrem im Kopf hat.