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Nun aber zu den Songs.
1) Los geht es mit dem Kracher "Too Much Information", einer Art Abrechnung mit der allgegenwärtigen Medienwelt: "I hate to bite the hand that feeds me (so much information)" heißt es da zu harten Synthieakkorden und kreischenden Gitarren. Eigentlich ein richtig geiler Song, der Hitstatus verdient hätte.
2) Das allseits bekannte "Ordinary World", von vielen aufgrund der Dauerdudelei im Radio inzwischen verschmäht, ist im Grunde ein verzweifeltes Lied über den (Drogen-)Tod eines Freundes, und die daraus entstehende Sehnsucht nach einer heilen Welt. Textlich war Simon Le Bon selten so prägnant wie hier, und Gitarrist Warren Cuccurullo steuerte dazu eine konkurrenzlose Ohrwurmmelodie bei: Hit, Hit, Hit!
3) "Love Voodoo", ein relaxter Song im damaligen Synthie-Soundgewand mit interessanten Vocalarrangements, handelt darüber, wo die Liebe (oder Lust) hinfällt und wie man da (nicht) wieder rauskommt. Sehr entspannt, fast reggaeartig.
4) Härter geht es im folgenden "Drowning Man" zur Sache: zu scharfen Dancebeats wird über den bösen "Uncle Sam" gesprechsungen - nicht so mein Fall, und meiner Meinung nach auch im Kontext des Albums etwas daneben. Vor allem nerven die billigen Pianostakkatos, die soo nach den frühen 90ern klingen!
5) "Shotgun" ist nicht einmal eine Minute lang und fliegt einem wie Pistolenkugeln um die Ohren. Seltsam, aber nicht ohne!
6) Dann tief eintauchen in "Come Undone", das erst in letzter Minute noch auf das Album kam. Ich habe dieses Lied stundenlang über Kopfhörer in mich aufgesogen, so hat es mich gefesselt: "Stay wilder than the wind and blow me in to cry...". Da störte mich auch nicht, dass ein Schulfreund meinte, die Background-Sängerin klänge wie Sandra! Hmmm.... zum Genießen!
7) Hiernach wird auf "Breath After Breath" gänzlich Duran-Neuland beschritten: mit dem brasilianischen Gitarristen und Songschreiber Milton Nascimento gibt es ein zweisprachiges Akustik-Duett über das Leben und den Tod. Übrigens wurde dazu auch ein wunderschönes Video gedreht.
8) "UMF" (i.e. Ultimate Mind F**k) ist textlich anzüglich ("A to Z/She's doin' it to my head/We don't need to go to bed"), musikalisch sehr funky (erinnert mich an Prince), und macht Spaß!
9) Das folgende "Femme Fatale", im Original von Velvet Underground, war ursprünglich für das damals bereits geplante Album mit Coverversionen gedacht (das schließlich 1995 als "Thank You" erschien) und fügt sich nun aber wunderbar in das "Wedding Album" ein. Für die Bridge gab es noch neue Lyrics, ansonsten ist es musikalisch eher zahm, aber wie ich finde sehr gekonnt umgesetzt.
10) "None Of The Above" erinnert mich mit dem treibenden Dancebeat sehr an z.B. Soul II Soul. Heutzutage klingen solche Zeitgeist-Sound-Adaptionen nur leicht angestaubt. Für die Single-Veröffentlichung (nur in Japan) gab es den stromlinienförmigeren Drizabone-Mix. Ich mag den Song vor allem wegen des quängelnden Gitarrensolos und der Absage an Lifestyle- und andere Götter ("Money, power, holy roads/Freedom puts my faith in none of the above").
11) "Shelter" kracht mit lautem Schlagzeug und Synthieakkorden aus der Anlage. Für mich etwas zu bemüht - dabei liest sich der Songtext eigentlich ganz nett!
12) "To Whom It My Concern" (a.k.a. "Mr. Bones") rechnet exemplarisch mit bösen Businessleuten ab, die viel versprechen, aber nur Geld verschlingen (und mit solchen hatten DD im Laufe ihrer Karriere ja genug zu tun). Dies ist wohl der am wenigsten gemochte Track der Fans, was ich nicht verstehen kann: Ich liebe den "Some people..."-Refrain, und die Wut wird so treffend artikuliert, dass sie spürbar wird. Auch zum Abreagieren geeignet!
13) Zuletzt kommt's mit "Sin Of The City" noch ganz dicke: Anhand eines Zeitungsberichts über ein Feuer in einem Nachtclub, bei dem aufgrund der mangelnden Sicherheitsvorkehrungen 89 Menschen starben, werden das Leben in der Großstadt und die vorherrschende Korruption angeklagt: "City living heavy trouble/City living rough/We are given angry heart/But anger's not enough". Zu einer kreischenden E-Gitarre wird "Stop killing your people now!" gefordert - und das in einem Duran Duran-Song, das muss man sich mal vorstellen; und dann noch anhören! Der Song gipfelt in einem tosenden Schluss, wonach nur noch die Flammen die übrigen Reste umzüngeln. Kaum zu glauben, welchen Weg die Band von "Her name is Rio and she dances on the sand" bis hierhin zurückgelegt hatte - inhaltlich wie musikalisch.
So. Kritiker warfen Duran Duran mit dem "Wedding Album" Richtungs- bzw. Orientierungslosigkeit vor. Ich würde es eher Vielfalt oder "Horizonterweiterung" nennen. Es ist vielschichtig und nicht eine Sekunde langweilig, und dennoch immer als Duran Duran erkennbar. Und das soll ihnen mal jemand nachmachen! Dazu gibt es (für wens interessiert) ein sehr schön und für jeden Song(-text) individuell gestaltetes Booklet.
Um nochmal auf den Anfang und den "eingefleischten Duranie" zurück zu kommen: 1993 war natürlich ein Triumph für diejenigen Fans, die den Glauben und die Hoffnung noch nicht aufgegeben hatten. Leider währte das ja nicht so lange, aber um sich zu erinnern hat man dieses schöne Album. Für alle zu spät gekommenen funktioniert das "Wedding Album" allerdings auch ohne Nostalgie - als wunderbares Popalbum.
Nach "Notorious" (grandios, erwachsen und teils zu unrecht verschmäht) und dem erfolglosen "Big Thing" hat DD einen "Schritt zurück nach vorne" getan.
Der Opener "Too much information" öffnet aufgrund des Bombast-Sounds, der straffen Gitarrenriffs und rockigen Gangart gleich die Tür - weckt aber ggf. falsche Erwartungen, da der Song nur eine Facette ist. DD zeigt sich aber auch textlich von einer anderen Seite - so wird u. a. mit der Medienlandschaft und MTV verbal abgerechnet.
"Ordinary World" und "Come Undone" zeigen, warum sie sich hervorragend als Auskopplungen eignen. Zwar erinnern die Songs etwas nach "Save a prayer" ziegen sich DD jedoch melodiös und zu älteren Werken reifer. Für mich fast schon Evergreens, nach 10 Jahren immer noch absolut hörbar.
Das DD aber auch einfallsreicher geworden sind und sich von den 80igern gelöst haben, zeigen u. a. "Love Voodoo", "Drowning Man" oder "ShotGun": hier werden Stils von Edel-Pop bis Techno/Synthi sowie DrumBeats gemischt. Absolut DD-unlike, ungewöhnlich und doch interessant und gekonnt eingespielt. Auch Fans werden 4-5 Mal reinhören müssen, um sie (hoffentlich) zu mögen.
"Breath after Breath" hingegen verwöhnt die Ohren wieder mit einem klasse Guest (Milton Nascimento) und eingängigem Pop.
Mit "Sin of the city" zeigt sich die Band auch erstmals in ihren Texten ernsthafter und bilden mit dem Song einen gelungenen ruhigen Album-Abschluss.
Für mich eines der besten und abwechslungsreichsten Alben, welches ich auch heute noch oft laufen lasse.
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