Die von Margaret Weis und Tracy Hickman herausgegebene Tales-Reihe beinhaltet Kurzgeschichten verschiedener Autoren, in denen die Welt der Drachenlanze in all ihren Fassetten geschildert wird. In diesem Band spielen die Geschichten während des Kriegs der Lanze, weshalb auch wieder Charaktere aus Chronik oder Legende vorkommen.
Lorac (Michael Williams)
Wie der Titel des Gedichts bereits verrät, geht es hier um die tragische Geschichte des Elfenkönigs Lorac, der die Kugel der Drachen aus Istar rettete und sie später vergeblich benutzte, um Silvanesti vor den Drachenarmeen zu retten.
Raistlin and the Knight of Solamnia (Margaret Weis & Tracy Hickman)
Eine Art Prequel zu dem Roman "Brothers Majere", in dem Raistlin und Caramon versuchen, den über einer Burg liegenden Fluch zu brechen. Begleitet werden sie dabei von ihrem Kenderkumpan Earwig Lockpicker und einem hochmütigen Ritter, dessen intolerante Weltanschauung allerhand Konflikte heraufbeschwört. Eine der besseren Geschichten in diesem Band, bietet sie doch einen der seltenen Einblicke in die Söldnerzeit der Majere-Zwillinge.
Dead on Target (Roger E. Moore)
Ein junger Mann will sich an den Hobgoblins rächen, die Mitglieder seiner Familie ermordet haben. Doch hinter der Sache steckt noch viel mehr als es den Anschein hat, und so bringt ihn auch sein eigener, gewaltsamer Tod nicht davon ab, die Lösung dieses Rätsels zu suchen. Obwohl man leider zu früh erahnen kann, worauf es am Ende hinauslaufen wird, hat Roger E. Moore eine durchaus unterhaltsame Geschichte mit stimmigen Charakteren geschaffen.
War Machines (Nick O'Donohoe)
Das Mädchen Mara dringt in den Berg Machtnichts ein, um eine gnomische Wunderwaffe zu stehlen, damit ihr Dorf eine Chance gegen die Invasoren der Drachenarmeen hat. Da auch ein Spähtrupp der Drakonier Jagd auf die Waffen macht, entwickelt sich ein Wettrennen, bei dem beide Parteien versuchen, nicht durch die gnomischen Erfindungen umzukommen. Die Geschichte soll wohl lustig sein, doch mir fällt es mittlerweile schwer, immer wieder über die selben Gnomenwitze zu lachen.
The Promised Place (Dan Parkinson)
Ein weiteres Abenteuer des aus den Vorgänger-Bänden bekannten Gossenzwerg-Clans, der sich immer noch auf der Suche nach dem "Verheißenen Ort" (Promised Place) befindet. Diesmal treffen sie auf einen grünen Drachen, der ihnen aufgrund seiner Zwangslage bei der Suche nach dem Verheißenen Ort helfen muss. Da Dan Parkinson immer wieder dieselben Gags aufwärmt, sind die Eskapaden der Gossenzwerge nicht mehr so komisch wie in seinen früheren Erzählungen.
Clockwork Hero (Jeff Grubb)
Ein gutmütiger Gnom pflegt zwei Menschen gesund, die in der Nähe seines Zuhauses mit einem Drachen abgestürzt sind. Um die Illusion des Mannes nicht zu zerstören, der die mit ihm abgestürzte, im Koma liegende Frau für ein herzensgutes Wesen hält, erfindet der Gnom ein komplexes Lügengebäude, dessen Erhalt immer schwieriger wird. Etwas besser als die andere Gnomengeschichte in diesem Band, bietet immerhin solide Lesekost.
The Night Wolf (Nancy Varian Berberick)
Ein Fluch bindet drei Freunde aneinander, der einen von ihnen immer wieder zum Werwolf werden lässt. Als eine Frau ins Spiel kommt, bringt sie unabsichtlich einen neuen Versuch in Gang, den Fluch zu brechen. Nancy Varian Berberick gehört zu meinen DL-Lieblingsautoren, doch hier hat sie leider nur Durchschnittsware abgeliefert. Ihr Talent, beim Leser starke Emotionen auszulösen, hat zumindest bei mir diesmal nicht so richtig funktioniert.
The Potion Sellers (Mark Anthony)
Ein Hochstapler-Duo gerät in ernste Gefahr, als der schwer verwundete Kommandant einer Drachenarmee ihre Heiltränke für echt hält. Von den Truppen unter Bewachung gestellt, müssen sie den Kommandanten zumindest so lange am Leben erhalten, bis sie einen Weg zur Flucht gefunden haben. Eine vergnügliche Gaunerposse, die von Anfang bis Ende zu unterhalten weiß.
The Hand That Feeds (Richard Knaak)
Ein Priester des Gottes Chemosh hat einen unscheinbaren Händler gefangen genommen, da er möglicherweise der Schlüssel zu den Schätzen des im Blutmeer versunkenen Istar ist. So langweilig war Richard Knaak noch nie, er schafft es zu keiner Zeit, dem Leser die Charaktere näher zu bringen.
The Vingaard Campaign (Douglas Niles)
Wieder einmal meldet sich der Schriftgelehrte Foryth Teel zu Wort, diesmal mit einem Bericht über den von Laurana geführten Feldzug gegen die Drachenarmeen. Die Erzählung ist etwas trocken geraten, was vermutlich dem Umstand geschuldet ist, dass hier ein Forschungsbericht vorgelegt wird. Er erhellt aber einige Hintergründe, die in den Chroniken ausgespart wurden.
The Story That Tasslehoff Promised He Would Never, Ever, Ever Tell (Margaret Weis & Tracy Hickman)
Als Rahmengeschichte fungiert hier die Feier der solamnischen Ritter zum zehnjährigen Ende des Lanzenkriegs. Obwohl Tolpan nicht eingeladen war, schafft er es trotzdem, sich auf die Feier zu mogeln und erzählt dort eine Geschichte aus der Kriegszeit, die er eigentlich für sich hätte behalten sollen. Diese Geschichte dreht sich um die Fertigung der Drachenlanzen durch Theros Eisenfeld und Fragen des Glaubens. Ehrlich gesagt ist diese Geschichte nicht gerade der große Wurf von Weis & Hickman, doch das Auftreten von Fizban reißt so einiges raus.
Fazit:
Meiner Meinung nach der schwächste Band der Tales-Reihe, ohne echte Höhepunkte. Dass die Geschichten während des Lanzenkriegs spielen, merkt man häufig, wenn überhaupt, nur ganz am Rand. Für DL-Fans bietet die Sammlung trotzdem einiges, wofür sich die Anschaffung lohnt. Alle anderen sollten es sich gut überlegen, ob es nicht doch besseren Lesestoff gibt.