Bevor ich meine Rezenzion beginne, möchte ich darauf hinweisen, dass sich die folgende Bewertung auf die Teile 2,3 und 4 der Comicreihe bezieht.
Ich bin über das Fernsehen auf "The Walking Dead" aufmerksam geworden. Zuerst dachte ich, das ist bestimmt wieder so ein oberflächlicher Zombiehorror wie es ihn bereits zur Genüge gibt.
Das war ein Irrtum. Ein großer Irrtum sogar. "The Walking Dead" ist eine fesselnde,tiefsinnige und zugleich erschreckende Sozialparabel unserer Gesellschaft.
Die 1.Staffel im Fernsehen war schon gut, aber die Comicreihe hat mich dann komplett in ihren Bann gezogen. Dennoch muss ich gestehen, dass ich auch ein wenig skeptisch war. Ich kenne mich in diesem Genre aus, und habe fast alle auf dem Markt erhältlichen Streifen rund um das Thema "Zombies" gesehen, und bei keinem von ihnen stehen die Überlebenden so sehr im Fokus wie bei "The Walking Dead". Die Zombies, bzw. die Plage ist zwar der Auslöser für alles was der Gruppe widerfährt, jedoch handelt es sich primär um eine komplexe Charakterstudie und die Frage, wie weit ein Mensch bereit ist zu gehen, wenn er alle ethischen und moralischen Grundsätze abgelegt hat. Nach dem 2.Band habe ich mir genau diese Frage gestellt. Und das war bis dato noch bei keinem Horrorschocker der Fall den ich gesehen habe. Ich habe die 3 Bände an einem Abend komplett "verschlungen", ( diese Beschreibung trifft es wohl hier am besten...*gg* ) und ich denke teilweise immer noch über die o.g. Frage nach. Der Hauptprotagonist tut alles, um in einer menschenfeindlichen Welt seine Familie zu schützen. Das ist ein ureigener Instinkt, welcher aber in einer intakten und von moralischen Grundsätzen gestützen Welt eher zweitrangig ist. Dann, als alle sozialen Strukturen brechen, Geld auf einmal keine Rolle mehr spielt weil es seinen Wert verloren hat, ändert sich schlagartig alles. Die Autoren haben das hervorragend umgesetzt, und haben es geschafft, dass man sogar mit einigen Charaktären sympatisiert, und anderen den Tod wünscht....das ist ein grasses "Erlebnis", welches noch nie ein Comic bei mir bewirkt hat.Weiterhin ist es aus meiner Sicht ein Novum, dass der Seuchenherd nicht preisgeben wird. In div. Filmen erfährt man sehr schnell was der Grund ist bzw. war. Hier nicht. War es das Militär? Eine Seuche? Ein Unfall? der Leser bleibt hierüber erstmal im Dunkeln. Allein diese Tatsache verleitet zum Weiterlesen.
Ich möchte nochmal auf die Charaktere eingehen: Am Anfang bekommt der Leser ein Bild davon wo die einzelnen Protagonisten herkommen. Soziale Herkunft, Beruf, Gut oder Böse usw....das verliert sich aber rasch in der Handlung, denn all das hat mit der Zeit keine Bedeutung mehr. Es geht nur noch um das nackte überleben. Es wird nicht mehr unterschieden ob jemand vorher Polizist oder ein Verbrecher war. All diese sozialen Differenzierungen haben keinerlei Bedeutung mehr. Das ist ein Beweis dafür, dass die Menschen teilweise auf einem hohen Ross sitzen.In "The Walking Dead" gibt es kein "arm" oder "reich" mehr. Hier gibt es nur noch tod oder lebendig.
Ich persönlich kann diese Comicreihe jedem ans Herz legen, der unsere Gesellschaft mal aus einem anderen "Blickwinkel" betrachten will.
Aber auch all denen, die nicht so sehr auf das soziale Thema focusiert sind, denn "The Walking Dead" ist auch einfach nur ein geiler Zombiehorror wenn man einfach mal sein Hirn ausschaltet....und das ist ja bekanntlich nicht all zu schwer....*gg*
Also, ich empfehle diese Comicreihe uneingeschränkt, und wünsche jedem viel Spass beim Lesen. Von mir gibt es 5 Sterne.