Polizist Rick Grimes wird bei einer Schießerei schwer verletzt. Als er Wochen später aus dem Koma erwacht, findet er sich in einem Alptraum wieder, aus dem es kein Entrinnen geben wird. Die Welt, die er kannte, existiert nicht mehr.
"The Walking Dead" von Autor Robert Kirkman und den Zeichnern Tony Moore (die ersten 6 Hefte) und Charles Adlard (ab Heft 7) ist der Shootingstar auf dem amerikanischen Comicmarkt. Und zu Recht. Wer in Anbetracht des Themas einen hirnlosen Metzelcomic erwartet irrt: Zwar werden genug Schädel zertrümmert um die Blood-and-Guts-Klientel zufrieden zu stellen, aber im Zentrum der gut durchdachten Handlung stehen die differenziert gezeichneten Charaktere und ihre Entwicklung. Der Leser wird Zeuge der verzweifelten Versuche Ricks und seiner Gefährten, auch im Angesicht der Apokalypse und trotz ständiger Rückschläge ihre Menschlichkeit zu bewahren. Nicht allen wird es gelingen.
Einer der ganz großen Pluspunkte von "The Walking Dead" besteht darin, dass im Gegensatz zu anderen fortlaufenden Serien wirklich jederzeit ALLES passieren kann. Kirkman führt neue Charaktere ein, baut sie sorgfältig auf, nur um sie unvermittelt und mitunter geradezu beiläufig über die Klinge springen zu lassen. In der Welt, in der "The Walking Dead" spielt, gibt es keine Sicherheit. Für niemanden. Der Autor scheut nicht davor zurück, Sympathieträger zu töten. Und anders als bei der Konkurrenz mit den bunten Unterhosen, werden die Toten hier nicht ein paar Ausgaben später auf "wundersame" Weise wieder zu neuem Leben erweckt (zumindest dann nicht, wenn man vorsorglicherweise vorher den Körper zerstört hat). Die Reihe bietet dem Leser die Möglichkeit, aus der Sicherheit des Lesesessels heraus einen Blick in den Abgrund zu werfen. Und nicht selten werden es eben nicht die kannibalistischen Kreaturen sein, von denen die größte Gefahr ausgeht. Oder wie der Autor es seinen Hauptcharakter einmal sagen lässt: "WE are the walking dead!"