In gewisser Weise fand ich das Interview mit Regisseur Paul Schrader in den (ansonsten mageren) Extras interessanter und amüsanter als den Film. Paul Schrader ist schon ein sehr humorvoller und auch etwas verrückter Typ! Er sagt selber zu seinem Film, dass es ihm in erster Linie um die Fortführung der Charakterstudie seines (mittlerweile in die Jahre gekommenen) "American Gigolo" ging, und (scherzhaft gemeint oder nicht) ein Plot ja nun mal sein musste. Ich muss sagen, dass ich die Geschichte auch eher dürftig fand, sie einen Thriller zu nennen, wäre maßlos übertrieben. Die Sache verläuft so vor sich hin, und wer nun wen weshalb ermordet hat, spielt eigentlich keine besonders große Rolle. Aber auch die Person des Carter Page III. fand ich nicht wirklich faszinierend. Das mag zum Teil an der Besetzung durch Woody Harrelson liegen, der sich große Mühe gibt, einen Schwulen zu mimen, auf mich aber wenig authentisch wirkte. Hinzu kam seine merkwürdige Stimme und Sprechweise in der Originalfassung, die mich nach kurzer Zeit veranlasste, den Film auf Deutsch weiterzusehen. Insgesamt wirkt der Film reichlich unmodern (wohl beabsichtigt), so dass ich vollkommen irritiert war, als plötzlich der 11.September und der Irak-Krieg erwähnt wurden. Ob die Karten spielenden Damen ein adäquates Abbild zeitgenössischer Politikerfrauen sind, vermag ich nicht zu beurteilen, auch hier fühlte ich mich eher zurückversetzt in die 50er bis 70er Jahre. Dadurch war auch die (am Rande) beabsichtigte Gesellschafts- und Politikerkritik für mich nicht wirklich greifbar.
Schrader ist es gelungen, eine Riege renommierter Schauspieler und vor allem Schauspielerinnen zu gewinnen, um sein Projekt zu verwirklichen. Nach seinen eigenen Aussagen waren seine finanziellen Mittel allerdings begrenzt, so dass man davon ausgehen kann, dass er beim Dreh etliche Kompromisse eingehen musste.
Dennoch: "I'm not that interesting", sagt Carter Page in einer Szene. Und dem kann ich leider nicht widersprechen.