The Visitor
(1998 - Jowitt, Nolan, Mitchell, Pointer, Wrightson)
Mit "The Visitor" liefern Arena ein grandioses Konzeptalbum ab. Es handelt (wenn ich es richtig verstehe) vom Tod, bzw. dem unmittelbaren Erleben des Todes und der eventuellen Rettung vor dem Tod am Ende. Ein depressiver Mann bricht in das Eis eines Sees ein und erlebt seine letzten Sekunden, als plötzlich der mysteriöse "Visitor" hinzustößt. Es folgt eine Phase der Selbstreflektion und der Mann wird mit verschiedenen Charakteren, die anscheinend Facetten seiner Persönlichkeit darstellen, konfrontiert. Am Ende zieht der "Besucher" den Mann schließlich wohl aus dem Eis heraus (auch wenn ich das nicht für ganz sicher halte, wenn ich an das Ende der CD denke).
Mit dieser Story ist auch die Grundstimmung vorgegeben, sie ist diesmal düsterer als zuvor.
Die Musik hat sich auch ein wenig geändert, so sind die Lieder allesamt kürzer geraten, Progrock-Lieder wie "Solomon" oder "Sirens" gibt es diesmal nicht, so wie auf "The Visitor" auch kein Lied wirklich herausragt, sondern das Album als ganzes einfach als Einheit zu sehen ist.
Progressiv geht es aber sehr wohl zur Sache, wenn auch nicht mehr ganz so sehr wie auf den vorangegangenen Alben vielleicht, so man es überhaupt messen will und kann. Wichtig ist für mich einfach nur gute Musik.
Schon der Opener "A crack in the ice" zeigt an, daß Arena trotz der diesmal relativ kurzen Lieder alles andere als Rock/Pop spielen. Es beginnt mit einem herzschlagartigen Keyboardsound, dazu hört man im Hintergrund den leisen Sinuston eines Herzmonitors, der die "Flatline" anzeigt- und danach setzt die E-Gitarre mit dem Grundthema von "The Visitor" ein. John Mitchell zeigt hier, daß man Keith More nicht vermissen muß. Es klingt sehr leidenschaftlich wie auch schon auf vorangegangenen Alben.
Im Gesangsteil fehlt als Begleitung auch nicht das Mellotron - obschon bereits hier bemerkbar wird, daß auf "The Visitor" mit weniger Breaks gearbeitet wird, es konzentriert sich diesmal noch mehr auf die Melodien und Stimmungen. Wobei aber der inzwischen charakteristische Arena-Sound sehr wohl zum Tragen kommt.
Als Lieder möchte ich noch "The Hanging Tree", "Tears in the rain" und "The Visitor" erwähnen. "Hanging Tree" ist sehr stimmungsvoll ausgelegt, zuerst eher still, nur mit Akustikgitarre und dem diesmal tiefen Gesang Paul Wrightsons, um dann zum Ende hin sehr leidenschaftlich zu geraten - dieser Song erinnert noch am ehesten an "Solomon" oder "Sirens", ist dabei aber kompakter ausgefallen.
"Tears in the rain" ist eine wundervolle Ballade im Stile von "Crying for help IV" und das abschließende "The Visitor" ist am ehesten noch als DER Höhepunkt zu verstehen, in einem Album, das aus einem Guß gemacht ist und für mich auf knapp 62 Minuten jederzeit voll überzeugt. "The Visitor" jedenfalls bietet zum Schluß ein großartiges und wundervolles mehrminütiges Gitarrensolo von Mitchell und geht dabei voll unter die Haut, jagt einem Schauer über den Rücken.
Am Ende klingt das Album so aus, wie es begonnen hat. Herztöne - und dann die Flatline, bloß daß diesmal die Herztöne aussetzen und man die letzten 17 Sekunden nur noch den hohlen Sinuston des Herzmonitors hört. Mir gefällt "The Visitor" sogar noch besser als die beiden Alben zuvor - soweit das noch möglich sein kann. Die anderen Alben bieten vielleicht die eine Prise mehr Progrock-Sound, "The Visitor" aber brilliert durch die erzeugte Stimmung, diese Intensität und Leidenschaft, die zusammen damit auch die Story interessant machen.
Als Vergleich fällt mir hierzu IQ's "Subterranea" ein - auch ein Konzeptalbum, aber mich läßt es irgendwie gleichgültig. "The Visitor" nicht. Es nimmt einen mit auf die Reise. Und es ist von vorne bis hinten mit guter Musik vollgepackt.