Blackmore's Night - The Village Lanterne 14 Songs/61 Min./2006
Ritchie Blackmore und seine Band mögen so manchem Hardrocker etwas sonderbar vorkommen. Mit Blackmore's Night zeigt Gitarrengott Ritchie aber, dass er noch immer unbestritten zu den außergewöhnlichsten Musikern der Gegenwart gehört. Insbesondere, wer seine heutige Band schon mal live erleben konnte ist in deren Bann gezogen. Im Gegensatz zu den vorherigen Alben zeigt Ritchie hier, dass er es halt doch nicht ganz verleugnen kann, eigentlich im Herzen noch immer ein Hardrocker zu sein. Denn es juckt und zippt ihn ständig in den Fingern. Im Gegensatz zu Deep Purple ist Blackmore aber in seiner Entwicklung nicht stehen geblieben, auch wenn diese zugegeben, etwas gar sonderbar verläuft. Aber das neue Album ist ohnehin das reifste Album seiner Band.
Seine grosse Vorliebe zur Musik des Mittelalters, kann er hier, begleitet durch den elfenhaften Gesang seiner zauberhaften symphatischen Lebensgefährtin Candice Night, wieder voll in den Vordergrund stellen. Ritchie nennt das ganze „Renaissance Folk-Rock mit balladesken (spanisch-) britischen Einflüssen."
Das neue Album lässt den Hörer bereits mit dem ersten Song "25 Years" in einen von Moos überwachsenen, unberührten Wald voller Klang eintauchen, dort, wo die Elfen fröhlich tanzen, Eichhörnchen ihre Nüsschen knappern und bärtige Waldmänner zufrieden ihrer strengen Arbeit nachgehen. (Häh?) Der darauffolgende Titelsong „Village Lantern" klingt zwar ziemlich nach dem Griechen Vangelis, jedoch besitzen dessen Songs nie eine so herzerwärmende Gitarre und eine so engelhafte Stimme. Dass auf dem neuen Album eine komplette Band am Werk ist, hört man prima bei „I Guess It Doesn't Matter Anymore". Später dann, bei ''Mond Tanz/Child In Time'' lässt Ritchie schliesslich einen der größten Deep Purple-Hits in neuem, gewöhnungsbedürftigem, aber überzeugenden Gewand auferstehen! Der wunderbare neu interpretierte Rainbow Klassiker „Street Of London", bildet ein weiterer Höhepunkt. Bei „Just Call My Name" und „Streets Of Dreams* lässt der Hexenmeister vollends seine Rockseele los; jeder treue Fan kriegt da feuchte Augen! Ich habe Ritchie live gesehen und weiss, wie Volksnah der Künstler, zumindest heutzutage, wirklich sein kann. Ritchie vermisst Deep Purple nicht, und ich, ehrlich gesagt, irgendwie auch nicht mehr!