(Original Kinoversion)
Regisseur Matthew Hope hat sich mit seinem Erstlingswerk "The Vanguard" ja nicht gerade mit Ruhm bekleckert. Zum Glück hat "The Veteran" außer den Anfangsbuchstaben nicht allzu viel mit "The Vanguard" gemein, was ihn aber leider trotzdem zu keinem wirklich guten Film macht. Eine Verbesserung zum Vorgänger ist sichtbar, dennoch sollte Matthew Hope sich vielleicht mal überlegen, den Beruf zu wechseln, denn seine krude Mischung aus "Harry Brown" und "24" kann leider auch nicht wirklich überzeugen. Da nützt es ihm auch nix, wenn er gestandene Mimen und Routiniers wie Brian Cox ("R.E.D.", "Ein gutes Herz") und Tony Curran ("Shuttle", "Die Säulen der Erde") vor die Linse zerren kann und darüber hinaus den überaus talentierten Toby Kebbell ("Prince of Persia", "RocknRolla") als Hauptdarsteller. Weder Drehbuch (ebenfalls von Hope) noch Regie können einen davon überzeugen, dass hier jemand wirklich wusste, was er wollte. Und das merkt man dem Film leider an, gute Darsteller hin oder her. Nun denn, wassup? Das hier:
Robert Miller kehrt von seinem Einsatz als Soldat in Afghanistan desillusioniert und traumatisiert zurück. Er leidet unter dem posttraumatischen Stresssyndrom und findet als Zivilist einfach keinen Job, weil seine ausgezeichneten Fähigkeiten als Soldat im "normalen" Leben keine Anwendung finden. So verbringt er die Tage in seiner tristen Wohnung in einem der ärmeren Viertel Londons, wo der Drogenkrieg die Straßen regiert und schon Kinder mit Waffen rumhantieren. Dann jedoch wird er durch die Vermittlung seines Kumpels Danny (Tom Brooke, "Radio Rock Revolution") an dessen Onkel Chris (Tony Curran) vermittelt, der für die Regierung arbeitet. Für ihn und Boss Gerry (Brian Cox) soll er eine islamistische Terrorzelle in London ausspionieren und der Regierung Bericht erstatten. Da er sonst a) eh nix zu tun hat, b) als Berufssoldat prädestiniert für so eine Aufgabe ist und er c) keinen anderen Job zu bekommen scheint, nimmt er den Auftrag an und wird somit zum Stalker für die britische Regierung. Bald aber muss Robert entdecken, dass er hier Opfer einer Verschwörung geworden ist, die ihn gnadenlos für ihre Zwecke ausnutzt. Nun, keine gute Idee, sich mit einer tickenden Zeitbombe wie Robert anzulegen, besonders nicht bei dessen taktischen und skrupellosen Fähigkeiten, die ihn sogar die afghanische Gefangenschaft haben überstehen lassen. Aber auch bei der in seinem Viertel vorherrschenden Gewalt sieht Robert Handlungsbedarf. Und wenn der Mann erst einmal eine Maschinenpistole in der Hand hat, sollte man besser in Deckung gehen...
Toby Kebell liefert hier wirklich eindrucksvoll ab. Sein traumatisierter, zerstörter, orientierungsloser Robert überzeugt in jeder Szene. Er lässt nur wenige Emotionen zu, kann aber gerade durch dieses reduzierte Spiel voll überzeugen. Man sieht ihm an, wie viel Leid er in Afghanistan gesehen hat und ertragen musste. Äußerlich nur leicht lädiert, ist er innerlich fast vollkommen zerstört. Er findet sich nur schwer wieder in seinem normalen Leben zurecht und wird geplagt von Alpträumen, Schlaflosigkeit, Schmerzen, Verzweiflung und Zukunftsängsten. Rein äußerlich ist er allerdings der immer ausgeglichene, sachliche, ruhige Ex-Soldat mit ausgeprägtem Gerechtigkeitssinn und einer Selbstsicherheit, wie sie nur die ausstrahlen, die wissen, dass ihnen kaum einer ans Bein pinkeln kann. Manchmal wirkt er fast zu ruhig und ein bisschen arrogant, alles in allem aber zeigt Toby Kebell hier viel von seinem zweifellos vorhandenen Talent. Brian Cox und Tony Curran sind darstellerisch sowieso über jeden Zweifel erhaben und geben die undurchsichtigen Auftraggeber entsprechend... undurchsichtig. Tom Brooke als Roberts Kumpel Danny kann ebenfalls feine Akzente setzen mit seiner Darstellung als pflichtbewusster Ex-Soldat, der in freundschaftlicher Verbundenheit loyal zu Robert steht. Einzig Schauspielnovizin Adi Bielski als mysteriöse Doppelagentin bleibt etwas blass, aber gut, es ist auch ihre erste Rolle in einem Langfilm.
Nein, es liegt leider wirklich an Regisseur und Autor Matthew Hope, dass "The Veteran" auf zu vielen Hochzeiten tanzen will, die Tanzschritte aber nicht beherrscht. Was möchte der Film sein? Kriegstrauma-Drama? Actionthriller? Agentenfilm? Verschwörungskrimi? Hope häuft hier viel zu viele Probleme an und halst sie alle einem einzigen Mann auf, der dazu noch schwer traumatisiert aus dem Krieg zurückgekehrt ist. Er soll eine Verschwörung aufdecken, die auf ihn angesetzten Verfolger so nachhaltig wie blutig ausschalten, seine psychischen Probleme in den Griff kriegen, seine Gefühle für eine Frau, über die er so gut wie nichts weiß und mit der es keinerlei Zukunftsperspektive gibt und ganz nebenbei soll er dann auch noch seine Nachbarschaft von Drogendealern und Gangs befreien. Na, bravo! Kein Wunder, dass der gute Robert damit ein bisschen überfordert ist. "The Veteran" schwank unentschlossen zwischen den genannten Genres hin und her und kann auf keinem Parkett wirklich überzeugen. Der Film verlangt einem einiges an Geduld ab, da der Regisseur lange Kamerafahrten und das Abfilmen von Situationen, in denen kaum etwas passiert, zu mögen scheint. Und wirklich viel passiert in "The Veteran" sowieso nicht, und das, was passiert, kann man der Geschichte ab und an gar nicht richtig zuordnen. Roberts langwierige Bespitzelungen der angeblichen Terroristen sind meist langweilig, die Gespräche der Protagonisten verworren oder uninteressant. Man merkt dem Film einfach an, dass er sich nicht entscheiden kann, was er sein will und wie man das adäquat umsetzt.
Was bedauerlich ist, da sowohl der Cast als auch die Settings überzeugen können. Londons Problemviertel kommen mal wieder wunderbar grau und deprimierend daher, Roberts pottenhässliche Bude und die einsam gelegenen Treffpunkte wirken authentisch und es gibt zumindest ein paar schöne Shootouts oder Nahkämpfe, die einen mit dem unfreiwilligen Helden mitfiebern lassen. Dennoch ist der Film viel zu ruhig, zu langatmig, zu unausgegoren und zu gewollt vielschichtig. So reibt sich Robert mehr und mehr zwischen seinen verschiedenen Aufgaben auf, kämpft an mehreren Fronten mit der gleichen Aussichtslosigkeit und verliert sich letztendlich in den ganzen Ansinnen seines Regisseurs, so dass auch das Ende nicht wirklich überzeugen kann. Somit knappe drei von fünf Diensten fürs Vaterland, die einem doch wieder keiner dankt.