Wie sagte meine Mutter früher oft zu mir, als ich noch ein kleines Kind war: Man soll aufhören, wenn es am Schönsten ist. Dies hätte man vielleicht auch Lisa J. Smith stecken sollen, nachdem sie so phänomenal und fulminant den dritten Teil "In der Dunkelheit" beendet hat. Hochspannende Geschichte mit einem tragischen und völlig unerwarteten Ende. Ich will jetzt nicht wieder in Lobeshymnen ausbrechen, aber ich war schlicht und ergreifend total geplättet. Und dann hielt ich den letzten Band "In der Schattenwelt" in der Hand und wusste, dass das nichts mehr werden kann...
Recht hatte ich. Die meiste Zeit während des Lesens hatte ich den Eindruck, das neuste Abenteuer der drei Fragezeichen vor mir zu haben. Matt, Meredith und Bonnie ermitteln in ihrer neusten Kriminalgeschichte, wobei Letztere spirituelle Hilfe von Elena aus dem Reich der Träume (oder Toten???) bekommt, die ihr rät, Stefano und am besten auch gleich Damon wegen Unterstützung anzufunken. Die Beiden reisen auch sofort aus Italien ab und kommen in das beschauliche kleine Kaff Fell's Church zurück und dann geht das große Rätselraten los. Catarina war nämlich rein gar nichts gegen das Übel, welches nun die wiederhergestellte Idylle zerstören will.
Das Ganze geht jedenfalls gehörige in die Hose. Es sterben ein paar Leute, Werwölfe finden endlich ihren Einsatz, es dominiert das übliche Gezanke und Gestreite und der grandiose Showdown wird auf 50 unerträglich langweiligen und kitschigen Seiten abgearbeitet. Aber auch die 200 Seiten davor sind kein Zuckerschlecken, sondern ziehen sich unheimlich in die Länge.
Das wohl größte Problem für mich: Bonnie! Elena entsprach für mich in den vorherigen Bändern ja nie unbedingt einer Wunschprotagonistin, aber man konnte es mit ihr aushalten und im Verlauf der Reihe ist sie mir richtig sympathisch geworden bzw. man konnte sich schließlich in sie hineinversetzen. Bonnie hingegen ist der typische Nebencharakter. Ein Angsthase wie's im Buche steht, aber voller magischer und prophetischer Gaben. So jemand macht man nicht plötzlich zum Erzähler! Ich konnte mich mit ihr nicht anfreunden und bin deswegen auch nie richtig warmgeworden mit dem Buch. Bis auf die Szene am Anfang hat die Autorin leider auch die Perspektiven von Stefano völlig weggelassen.
Mal abgesehen von der 08/15 Handlung war das Ende einfach nur Quatsch. Mrs. Smith hat wahrscheinlich nach dem dritten Band Angst bekommen, dass viele Fans ihr wegen der Sache mit Elena böse sein könnten und deswegen wurde dieses Bilderbuch-Happy-End kreiert. So nach dem Motto: Böses für die Bösen, denn ein guter Ausgang ist nur den Guten vorbehalten.
"Und ein Blitz fuhr vom Himmel und wie Gott sie schuf, lag sie da und alles war wieder in Ordnung. Alle tanzten froh und munter durch die Nacht und waren glücklich und zufrieden und wenn sie nicht gestorben sind... und so weiter und sofort." Für Erklärungen war dann nämlich keine Zeit mehr und das Buch war zu Ende. Fertig!
Betrachtet man die gesamte Vampirtagebuch-Reihe, passt folgendes Wechselbad der Gefühle wie die Faust aufs Auge: Himmel hoch jauchzend oder zu Tode betrübt. "In der Schattenwelt" kommt eindeutig Letzterem am Nächsten. Bis zum dritten Band kann man sich die Serie ruhig zu Gemüte führen, der Rest ist für die, die das Schicksal herausfordern wollen und nicht genug kriegen können.