Ich habe ja sehr lange mit mir gerungen, ob ich das Buch überhaupt kaufen bzw. lesen sollte. Der vierte Teil lag schon weit über ein Jahr zurück, aber dieses sehr skurrile Ende hat sich mir ins Gedächtnis eingebrannt. Elena - zurück von wo auch immer, so wie Gott sie schuf. Ach komm, dachte ich mir, kann ja eigentlich nur noch besser werden. Und nachdem aus dem Rohmaterial der ersten vier Bände eine recht erfolgreiche Serie zustande gekommen ist, war ich ja guter Hoffnung, denn Lisa J. Smith wird doch kein Unsinn machen und die Drehbuchautoren ins Schwitzen bringen. Oder? Har, har...
Elena ist nun also wieder unter den Lebenden. Jedoch hat die Rückkehr bei ihr eine ordentliche Klatsche hinterlassen, mit der sich in erster Linie Stefano auseinandersetzen muss. Elena ist nämlich so eine Art Engel geworden. Sie kann nicht mehr reden, dafür aber fliegen und irgendwie Gedankenlesen und ist ganz gierig darauf, dass ihr Liebster sie anzapft und von ihrem Superblut neue Kräfte tankt. Der Dreier Bonnie, Meredith und Matt sind zunächst ratlos, aber Probleme sind am schönsten, wenn sie sich von selbst lösen und so findet Elena recht schnell zu alter Stärke. Aber nun bahnen sich erst die richtige Katastrophe an. Stefano verschwindet plötzlich und Fell's Church wird von einer neuen Bedrohung heimgesucht. Die Bäume im umliegenden Wald verselbstständigen sich, unheimliche Monster machen die Gegend unsicher und kleine Mädchen scheinen wie besessen verrückt zu spielen. Das Vierergespann ist natürlich sofort involviert und auch Damon kann sich dem nicht entziehen. Schlimmer noch, er wird sogar zur Marionette der beiden Widersacher...
Ich weiß gar nicht, wo ich anfangen soll. "Rückkehr bei Nacht" ist gelinde gesagt... erschütternd. Ich habe jetzt noch eine Ganzkörpergänsehaut, wenn ich an dieses Ding zurückdenke. Von wegen, es kann nicht schlimmer werden, die Autorin hat alle Kritiker in ihre Schranken verwiesen und gezeigt, das man nie nie sagen sollte und immer noch einen drauf setzen kann. Und um es weniger abstrakt zu formulieren: Da müssen Drogen kreisen bei der Autorin, das haben einige Rezensenten hier schon ganz richtig erkannt.
Fangen wir mal bei der Charakteren an und da war wohl wirklich nur eine Person, die sich treu geblieben ist: Caroline Forbes. Die fiese und gemeine Giftspritze zeigt sich hier wieder von ihrer ekligsten Seite und scheut sich nun auch nicht mehr, dem Bösen aus der anderen Dimension Einlass zu gewähren. Die drei Fragezeichen hingegen habe den letzten Rest Sympathie verspielt, den ich ihnen im letzten Band noch zugestanden habe. Matt ist der absolute Softball, Bonnie entweder unheimlich nervig oder völlig naiv und Meredith wirkt weitgehend überflüssig (hinsichtlich der Serie also durchaus passend, denn da wurde ihre Rolle von Anfang an gestrichen). Stefano ist insofern der Alte geblieben als das man seine unheimlich wehmütige und sanfte Art beibehalten hat - nachträglich hat sich aber herausgestellt, dass er doch ein Supermann ist und eigentlich viel stärker als sein Bruder, den er in einer Szene mal eben so fertig macht. Herrlich! Damon hat wohl den größten Wandel durchgemacht. Irgendwie ist er ja noch der kleine Schurke geblieben, aber nun zeigt sich auch mehr und mehr, dass er auch seine anderen Seiten hat. Dass er auf Elena abfährt, ist ja nun nichts Neues, bloß was soll jetzt diese Anbandelung mit Bonnie? Es war ja fast rührend, wie er sie nackig macht, sie mit Blut füttert und dann beklagenswerter Weise feststellt, dass Bonnie nur ein A-Körbchen hat. Ohhh... Elena hingegen entzieht sich jeglicher Beschreibung; erst macht sie auf Lady Gaga, mit kleinen Flügelchen und viel übersinnlichem Blabla und eines Morgens wacht sie auf und scheint plötzlich geheilt. Ihr passt es auch überhaupt nicht in den Kram, dass Stefano den Mut hat, sie, ja SIE, einfach zu verlassen. Das kann ja nicht angehen; wer wen verlässt, dass hat hier nur eine zu entscheiden. Und so reiben sich ihre Untergebenen genüsslich die Hände und freuen sich, endlich wieder zu Kreuze kriechen zu können und aktiv an der Rückholaktion beteiligt zu sein.
Wenden wir uns dem Plot zu. Welcher Plot, fragt sich jetzt der eine oder andere Insider und an der Stelle muss ich sagen, dass dieses Buch vergeblich versucht hat, irgendeine Form von Inhalt zu rechtfertigen. Vielmehr bekommt man 600 Seiten über jede Menge Kuriositäten geboten. Eine skurrile Szene reiht sich an die nächste und bei jedem Kapital habe ich mich gefragt, wer dieses Mal Amok laufen darf. Mal drehen die Bäume ab, dann spielen minderjährige Mädchen verrückt, piercen sich um Sinn und Verstand oder ergehen sich in ihrer Wolllust. Dann gibt es noch die seltsamen, tentakelartigen Wesen, die so unterwegs sind und manchmal ist es auch einfach nur Damon, der plötzlich wie besessen schmutzige Filmchen mit Elena und Matt in den Hauptrollen drehen will. Und überhaupt, seit wann ist die Autorin so versaut geworden? In den bisherigen sieben Büchern, die ich von der Frau Smith gelesen habe, ist nicht einmal ansatzweise das Wort Sex vorgekommen, geschweige denn irgendwelche Andeutungen in die Richtung. Das Höchste der Gefühle war vielleicht mal ein Küsschen oder eine nette Umarmung, aber scheinbar wollte sie die Ersparnisse der letzten Jahrzehnte ihrer Erscheinungen in diesem Buch mal so richtig auf den Kopf hauen. Es wird weder an Zwei- noch an Eindeutigkeiten gespart und ich habe viele Male entsetzt auf das Cover gestarrt, nur um festzustellen, dass es doch tatsächlich dieselbe Frau ist.
Die Topneuheit sind übrigens diese beiden Fuchs-Manga-weißwasich-Zwillinge. Welche Daseinsberechtigung haben die Beiden und warum muss eigentlich jedes Übel dieser Welt es auf dieses kleine Kaff abgesehen haben? Immer größer, immer stärker und so was von an den Haaren herbei gezogen.
Ich bin der festen Überzeugung, dass dieses komische Verhalten aller Personen, die ständigen Sprünge zwischen Traum und Wirklichkeit, der ganze abgedrehte Unsinn nur halb so ätzend gewesen wäre, wenn das Buch nicht so unfangreich ausgefallen wäre. 600 Seiten, ein Klopper. Unzählige Kapitel, seitenlanges Geplänkel, viele wirre Momente (und da spreche ich nur von meinen Eindrücken) und dann schafft die Autorin es nicht einmal, die Geschichte zu Ende zu bringen. Stattdessen, Cliffhanger und die Erkenntnis, dass man am selben Punkt angelangt ist wie vor dem Buch - nur ohne Stefano im Gepäck, der jetzt in seiner düsteren Zelle schmoren darf.
Neben all dem Ablästern muss ich jedoch auch mal etwas Gutes vermelden. Über die Jahre hinweg scheint die Autorin schriftstellerisch in ihren Fähigkeiten gewachsen zu sein. Früher, um es nett zu formulieren, waren die Bücher eher schlicht geschrieben - es dominierten die 5-Wörter-Sätze. Da hat sich einiges getan. Wenn das Ganze jetzt aber auf Kosten des Inhalts geht, möchte ich lieber die alte Lisa J. Smith zurück haben. Und genau das ist ja der Status Quo. Wirklich Schade. Ansonsten fand ich die Perspektivenwechsel noch sehr gelungen, obwohl die gegen Ende sehr stark nachgelassen haben.
Die Rezension ist viel länger geworden, als ich das geplant hatte. Aber je größer die Qual, desto länger fällt es nun mal aus, den Leidensweg zu beschreiben. Ich hätte natürlich das Buch nach 150 Seiten abbrechen können, weil spätestens da war mir klar, dass es nicht besser werden würde, aber ich habe mich mein Leben lang immer mir Verbissenheit durch jedes Monster gequält und irgendwo, manchmal ganz versteckt, versiegt die Hoffnung bei mir nie, dass es auf der nächsten Seite vielleicht doch besser wird; davon abgesehen spielt der Preis auch keine unerhebliche Rolle. "Rückkehr bei Nacht" bleibt sich aber treu und ist durch die Bank weg krude, verwirrend und nicht von dieser Welt.