"The Unseen" gehört zu diesen Underground-Alben, die Hip-Hop interessant und abwechslungsreich machen und das aus verschiedenen Gründen. Als erstes ist das Konzept dieser Platte zu nennnen; und hierbei merkt man schnell, dass hier nicht nur ein Interpret seine Präsenz offenbart, nämlich Madlib selbst, sondern noch Quasimoto, eine mit Helium versetzten Stimme agierende Gestalt, welcher als eine Art Alter Ego zu Madlib zu betrachten ist. Komische und gewöhnungsbedürftige Idee, aber nun gut. "The Unseen" handelt nun von den teils sinnlosen, teils lustigen und durchaus unterhaltsamen Geschichten und Abenteuern dieser beiden Figuren.
Dieses Album ist auch in einem Ruck durchzuhören, denn dann macht es am meisten Sinn und kommt am besten zur Geltung, anders ausgedrückt, man versteht andernfalls die "Geschichte" von "The Unseen" nicht. Dabei, ich erwähnte es vorhin, sollte eher von einem Konzept die Rede sein und nicht von einer Geschichte im Stile von Masta Ace o.ä. Begleitet wird das Hörerlebnis von einer unvergleichbaren Musik, für die ich Madlib so sehr schätze; seine Vorgehensweisen sind einzigartig im Hip-Hop und schwer zu beschreiben. Sie sind recht jazzig und mit jede Menge Soul gefüllt; spannend ist dieser Sound aber in der Hinsicht, dass der Künstler mit der Musik im wahrsten Sinne des Wortes spielt, d.h. er setzt die verschiedensten Musikfetzen zusammen und schneidet sie nach Belieben zusammen (oder auseinander). Dadurch erhält man einen sehr unordentlichen, chaotisch wirkenden, fadenlosen Brei, der aber genau diesen, im Endeffekt einheitlichen und doch absolut homogenen Madlibsound darstellt. Man wird sich die CD oft anhören müssen, ehe man alle versteckten Kleinigkeiten "entdeckt", die Vielfalt kennt hierbei kaum Grenzen und macht ebendrum auch auf Dauer betrachtet immer wieder Spass, dieses Musikabenteuer stets aufs Neue anzugehen, es wird jedes mal etwas anders vonstatten gehen.
Was ist nun mit Madlib und seinen Rapkünsten? Er kann rappen, zumindest auf seine Art. Seine ruhige, unbekümmerte Weise zeichnen ihn aus, seine Inhalte sind etwas wirr und lyrisch nicht extrem anspruchsvoll, aber deswegen soll sein sprachliches Zutun nicht schlecht geredet werden; ich mag eben genau diese einfach gehaltenen Verse von ihm, sowie seine nicht ernstzunehmenden Pseudo-Weisheiten, sie entspannen und unterhalten zugleich, zuviel lyrischen und kritischen Inhalt können ja auch anstrengend sein und deswegen gefällt mir dieser Madlib-Style als angenehme Abwechslung. Quasimoto mag vielleicht etwas auf die Nerven gehen, ich würde betonen, man müsse sich nur etwas daran gewöhnen, ohne ihn und nur mit dem "echten" Madlib wäre eventuell etwas Magie der CD verloren gegangen...
Abschliessend und ohne irgendwelche Titel wirklich hervorgehoben zu haben (hier aber ein paar Empfehlungen: "Come On Feet", "The Unseen", "Phony Game", "Discipline 99 Pt. 1") möchte ich festhalten, dass "The Unseen" gewöhnungsbedürftigt und gut ist. Hat man einmal das Album "akzeptiert", wird man es nicht so schnell mehr loswerden und verspürt in regelmäßigen Abständen die Notwendigkeit, sich in Quasimotos Welten zu begeben.