So, nach einer guten Woche des Hörens und Analysierens sehe ich mich auch in der Lage, meine Meinung zum vorliegenden Album kund zu tun ;-)). Ich gebe zu, es hat bei mir ein Wechselbad der Gefühle verursacht und ich kann hier wirklich alle Bewertungen von einem bis hin zu fünf Sternen sehr gut nachvollziehen.
Hätte ich meine Bewertung gleich nach dem ersten Hören geschrieben, hätte ich uneingeschränkt 5 Sterne vergeben. Allerdings hat sich recht schnell ein gewisser Abnutzungsfaktor eingestellt und nach dem ersten "Wow!!!"-Effekt hat sich bald eine latente Enttäuschung gezeigt. Es ist nicht allein der Stilwechsel von Gothic-Metal zum Rock/Pop-Sound, den Within Temptation hier vorgenommen haben, sondern insbesondere die fehlende Song-Komplexität und Abwechslung, die ich hier vermisste. Die Holländer waren bekannt für ihre Mixtur aus Opulenz, Bombast und Mystik - entsprechend vielschichtig und komplex waren ihre Kompositionen und Arrangements. Das fehlt mir ein bisschen beim vorliegenden Werk. Hätte ich das Album nach dieser Phase der Enttäuschung bewertet, hätte ich wohl 3 Sterne vergeben ;-).
Dann aber habe ich "The Unforgiving" wieder des Öfteren bei meinen (beinahe) täglichen Jogging- und Fahrradtouren gehört und habe meinen Frieden mit dem Album geschlossen.... :-). Wenn man sich an der kommerziellen und mainstreamigen Ausrichtung des Albums nicht mehr stört, entdeckt man wieder starke Songs mit intensiver und dichter Atmosphäre. Zwar immer noch eine ziemliche Abkehr vom Gothic Metal, aber dennoch eine insgesamt starke und ambitionierte Vorstellung der Holländer, insbesondere im Vergleich zum üblichen "Rock/Pop-Gedudel" auf dem kommerziellen Musikmarkt.
Was ich noch besonders bemerkenswert finde, ist Sharons Stimme: Sie setzt diese nun viel variabler und aussdrucksstärker ein und verlässt die gewohnten "höheren Sphären" der früheren Werke; auch wenn sich einige daran stören, finde ich persönlich diesen Wechsel als eine richtige Bereicherung, da der Gesangsvortrag dadurch viel abwechslungsreicher geworden ist.
Was die einzelnen Songs anbelangt, wurde seitens meiner Vorredner schon sehr detailliert darauf eingegangen.
Als Anspieltipps wären von meiner Seite aus neben dem bereits bekannten "Faster", das trotz seiner Eingängigkeit richtigen Ohrwurmcharakter besitzt, insbesondere noch das rockige "Shot in the Dark", die Powerballade "Fire and Ice", die sanfteren "Lost" und "Stairway to the Skies", das opulente "A Demon's Fate" und - mein absolutes Highlight - das düstere und kantige "Murder" zu nennen.
Ebenfalls sehr empfehlenswert ist der als Bonus-Track erhältliche Song "I Don't Wanna" (bzw. eher "The last Dance"??? - da scheint es wohl etliche Irritationen zu geben...), eine wunderschöne, keltisch angehauchte Ballade, von Sharon gesungen mit der gewohnten "Engelsstimme".
Ich kann allen Zögerern nur raten: Gebt dem Album eine (zweite) Chance - es lohnt sich wirklich!