Mit Klischees über die Skandinavier wäre es am einfachsten, um einen passenden Einstieg zu finden. Doch wäre das respektlos, haben sich Röyksopp mit dieser CD doch wesentlich mehr Mühe gemacht. Das zweite Album ist für viele Acts eine Hürde. Der Druck ist zu hoch, sei es der eigene oder der des Labels. Oder man verhaspelt sich, da man das schwer verdiente Geld in teure Geräte steckt und anstatt des erhofften Soundwunders dann doch nur überambitionierter Schnickschnack rauskommt. Diesen Fehler haben Torbjørn Brundtland und Svein Berge nicht gemacht. Röyksopp klingen zwar professioneller, dies ist aber in diesem Falle kein Nachteil. Auch stört es nicht, das sich beim ersten Hören nicht sofort die Hits finden wie auf dem Debüt „Melody A.M.".
Zum teilweise sehr entspannten Vorgänger ist das neue Werk wesentlich flotter, aber zugleich auch etwas düsterer und melancholischer. Doch Röyksopp kriegen jedesmal meisterlich die Kurve. Das Tempo wird geschickt variiert, die Melodien schwanken zwischen besagter Melancholie und ergreifender Euphorie mit hohem Pop-Appeal. Nach dem etwas theatralischen Opener „Triumphant" jagt ein Höhepunkt den anderen. Bis auf wenige Ausnahmen, werden zu allen Tracks Vocals beigesteuert, etwa von Künstlern wie Chelonis R. Jones, der auch schon auf dem Get Physical Label von M.A.N.D.Y. erfolgreich war. Oder von Karin Dreijer von The Knife, Neuling Kate Havnevik und Röyksopp selbst. Und nach ein paar Durchgängen erkennt man, wie sehr „The Understanding" als Einheit funktioniert. Und das die offensichtlichen Hits nicht sofort zu erkennen sind, liegt einfach daran, das im Prinzip jeder Track ein großartiger Song ist.
Es verdient großen Respekt, das sie es konsequent vermieden haben, eine Fortsetzung von „Melody A.M." abzuliefern. Auch vermeiden sie es, zu sehr auf aktuelle Strömungen einzugehen und zu viele Zitate einzubauen, auch wenn ein größerer Einfluß elektronischer Musik zu erkennen ist. Sie sind auf dem Weg, einen eigenstädigen Sound zu entwickeln, und was das heutzutage für einen Wert hat, kann man gar nicht oft genug hervorheben.