Auf dem dritten und letzten Studioalbum "The Unauthorized Biography Of Reinhold Messner" schlägt das Trio um Sänger, Pianist und Songwriter Ben Folds noch ruhigere Töne an als auf dem Vorgängeralbum "Whatever And Ever Amen". Dass diesem Werk die Auflösung folgte, ist durchaus verständlich, da sich Ben Folds Five in eine kreative Richtung entwickelt hatten, die schwerlich fortgesetzt, eher nur mit einem großen Werk abgeschlossen werden konnte. "Reinhold Messner" ist ein großes Werk und ein sehr tiefrührendes und trauriges dazu. Melancholie ist das Schlagwort, vom Opener "Narcolepsy" über das süßsaure "Don't Change Your Plans", das resignative "Mess" - alles balladenartige Nummern mit leicht spätromantischen Klavieranstrichen zuweilen, natürlich im Bereich der Popmusik bleibend. "Magic" ist noch ruhiger, verzaubernd und zugleich Schatten werfend. "Hospital Song" ist dann der Höhepunkt der Traurigkeit - mit einem kurzen, aber aussagekräftigen Text und einer langen dahinlaufenden Improvisation, die an ältere David Bowie-Nummern erinnert. "Army" dann holt den Hörer aus dem cremigen Schleier der Melancholie mit einem Paukenschlag zurück - mein Lieblingssong des Trios, ein fast unverschämt guter Groove, und die Bläser! - auf "Ben Folds Live" ist eine grandiose Liveversion mit grandiosem Publikum("We're enough people here to have a bitchin horn section") zum Weiterhören zu empfehlen. "Your Redneck Past" ist brachialer Pop, "Your most valuable possession" setzt da wieder an, wo der "Hospital Song" aufhörte. "Regrets" wiederum nimmt sich musikalisch das Ende von "Army" und spielt es in einen neuen Song fort - eine geniale Idee, die besonders offenbar wird, wenn man die beiden Songs hintereinander hört. "Jane" ist wunderschönste Ballade in versöhnlicherem Tonfall, ebenso "Lullabye", das abschließende goodnight and goodbye der Ben Folds Five. "Reinhold Messner" eignet sich hervorragend zu rauhen, windigen Herbsttagen, an denen es den ganzen Tag nicht hell wird - ganz große Melancholie mit wundervollen Mitteln - ich lasse mich immer wieder von diesem Album verzaubern und lege es allen ans Herz. Wer Ben Folds allerdings noch nicht kennt, sollte vielleicht doch eher mit dem Debütalbum "Ben Folds Five" oder dem Soloalbum "Rockin The Suburbs" einsteigen.