Ich hatte dieses Buch für eine Schülerin angeschafft, damit sie in den Ferien etwas zu lesen hatte und dadurch ein wenig ihr Englisch auffrischen konnte. Und so habe ich nach über 20 Jahren wieder "Hanni und Nanni" gelesen und kam mir wieder vor wie damals, als ich 8 Jahre alt war und mich durch die ganze Serie las.
Aber -oh Schreck!- was mußte ich herausfinden? Ich war meine ganze Kindheit über "betrogen" worden, meine Heldinnen heißen gar nicht Hanni und Nanni, sondern Pat und Isabel und auch viele andere Namen sind im Original ganz anders, so wurde aus dem Internat Lindenhof die Boarding School St. Clare's und es wird auch nicht mehr Handball, sondern Lacrosse gespielt! Es war fast so, als würde ich ein vollständig anderes Buch lesen, so stark kamen mir im Nachhinein diese Eindeutschungen vor.
"The twins at St. Clare's" ist ein herrliches Buch, das für Erwachsene sicherlich einen amüsanten Ausflug in die eigene Kindheit darstellt, in der man die Bücher über Patricia und Isabel o'Sullivan und ihre Schulzeit im Internat St. Clare's verschlungen hat. Kleine Gemeinheiten untereinander und den Lehrerinnen gegenüber, lustige Streiche im Klassenzimmer, spannende Sportwettkämpfe und heimliche Mitternachtsparties, das alles waren doch Dinge, von denen wir alle irgendwie heimlich geträumt haben; ein Rezept übrigens, nach dem unter anderem heutzutage auch die Harry-Potter-Romane von J.K. Rowling funktionieren.
Dabei liest sich Enid Blytons Sprache auch heute noch quirlig und witzig, daß man dieses Buch gar nicht aus den Händen legen möchte, auch wenn man eigentlich ja schon viel zu alt für "sowas" ist. Aber auch heutige Mädchen, die des Englischen sehr gut mächtig sind, werden ihren Spaß mit Pat und Isabel haben, denn die Geschichten sind zeitlos, erzählen von Freundschaften, Schule und Erwachsenwerden und funktionieren somit auch in Zeiten von Internet, Handy und Multimedia, obwohl sie eindeutig in den 1940ern/1950ern spielen. In heutigen Klassenzimmern dürften sich schwerlich Kamine finden lassen und auch die Sprache der Mädchen mit Ausdrücken wie "jolly", "golly", "we'll have a sport" und einigen anderen ist nicht mehr wirklich aktuell.
Dennoch sind die St. Clare's-Bücher von Enid Bylton einfach unverwüstliche Klassiker, die man auch heutigen Generationen ans Herz legen kann und vielleicht fördert man dadurch ja auch ein wenig die Lust aufs Lesen. Bei mir hat's vor über 20 Jahren funktioniert (und die Bücher stammen aus den 1940ern!), warum sollte es heute nicht auch funktionieren?
It might be a jolly good idea... ;-)