Ich habe viele Jahre auf ein Re-Mastering dieser CD gehofft und war hocherfreut, als diese dann doch endlich 2002 veröffentlicht wurde. Ich höre diese LP/CD schon seit 1969, dem Erscheinungsjahr, und bin auch nach Jahrzehnten noch von der Musik dieser CD fasziniert. Was John Mayall damals entwickelte und im Fillmore East im Sommer 1969 aufnahm, war für den Bluesmann schon bahnbrechend. Weg von Lead-Gitarre und Drums und hin zu Flöte, Sax und akustischer Gitarre. Einzelne Songs herauszugreifen bringt hier nicht viel, da die gesamte CD durchgängig Klasse hat! Wer die CD nicht kennt, der kennt aber evtl. "Room to move", das ein Erfolg in den damaligen Charts war. Für mich ein origineller Titel mit einem tollen Harp-Solo und Mouth-Percussion.
Richtig interessant finde ich allerdings die längeren Titel, so z.B. "Thoughts about Roxanne" (8 Min.) oder "California" (9 Min.).
Vom Re-Mastering war ich etwas enttäuscht, da dies aus meiner Sicht wenig an Klangverbesserung gebracht hat. Vielleicht liegt das aber auch daran, dass die alte LP bereits schon eine für damalige Verhältnisse wirklich hervorragende Aufnahmequalität hatte. Es gibt 3 Bonustitel, wobei ich es schön gefunden hätte, noch mehr von den 4 Konzerten zu hören. Mit rd. 60 Minuten Laufzeit hätte doch der eine oder andere Titel (oder auch Alternativversion) noch Platz gefunden.
Die CD ist im Re-Mastering genauso überspielt wie die ursprüngliche LP; es gibt also keine weiteren Ansagen oder neues zwischen den Titeln. Alles wurde - so die LP/CD am 12. Juli 1969 aufgenommen. Von den ersten beiden Konzerten vom 11. Juli wurde wohl nichts verwendet. Da wäre bei dieser Neuauflage doch noch Platz für gewesen.
Das Booklet ist etwas informativer als ursprünglich, so sind z.B. die Songtexte abgedruckt und es gibt ein paar Informationen zu der Musik von John Mayall aus dieser Zeit, die zu den Fillmore East-Konzerten führten.
Alles in allem eine klasse Live-CD mit einer tollen Band:
Steve Thompson - Bass Guitar,
Johnny Almond - Tenor Sax and Flute
Jon Mark - Acoustic Fingerstyle Guitar.
John Mayall singt, spielt Harp und Telecaster.
Von den CD's von John Mayall (ohne Drums) aus dieser Zeit ist diese für mich die Beste. Danach würde ich auf jeden Fall noch
USA Union mit Harvey Mandel (Gitarre), Sugarcane Harris (Violin) und Larry Taylor (Bass) zum Kauf empfehlen, die auch ausnahmslos gut ist.
Mit der gleichen Band von "The Turning Point" nahm John Mayall 1970 noch das Studio-Album
Empty Rooms auf, das sicher nicht schlecht ist, aber nicht die ungeheuere Spannung vom Auftritt im "Fillmore East" widerspiegelt.
"The Turning Point" aber ist absolut klasse! John Mayall war ja immer kreativ und vielseitig, was seine Bands und Alben angeht. Aber die Zeit von 1968 mit dem Album
Blues from Laurel Canyon bis 1973 und dem Doppel-Album
Ten Years Are Gone war für mich eine seiner interessantesten Phasen.