Wer sich in der tudorschen Zeit auskennt, wird öfter als einmal den Blick zur Zimmerdecke wenden... Das Treffen mit Franz I., das Verhältnis mit Bessie Blount...mit Mary Boleyn...der Tod von Henry Fitzroy...die Ehe seiner Schwester Margarete mit einem alten König von Portugal.. alles völlig falsch wiedergegeben. Margarete zum Beispiel heiratete James von Schottland und war glücklich mit ihm. Während seine Schwester Mary diejenige war, die in den sauren Apfel bzw. in das Bett eines alten Königs von Frankreich beißen musste..Aber nur für 92 Tage.. und heiratete dann...im Film wie in der Wirklichkeit ..Charles Brandon!
Der Schauspieler, der Heinrich wiedergibt, ist gewöhnungsbedürftig. Heinrich war stolz auf seine Behaarung, sowohl auf Brust, als auch im Gesicht.. Aber zur heutigen Zeit entspricht der Schauspieler wohl wieder dem Schönheitsideal - wie damals Heinrich mit Haaren von oben bis unten!
Außerdem war der echte Heinrich über 1,90 m groß! Dieser hier wird maximal 1,79m messen! Es ist verwirrend, wenn alle anderen größer sind, als er. Aber gut. Er spielt gut, obwohl mich der wahnsinnige Blick etwas abstößt... sei´s drum. Sam Neill als Kardinal Thomas Wolsey ist eine Offenbarung, genau wie Königin Katharina von Aragon! Super!! Die echte war weniger facettenreich! Es kommt leider auch nicht so richtig heraus, dass das Aufflackern erster Verliebtheit im Jahre 1526 von Heinrich zu Anne war und erst 1533 die Ehe mit Königin Katharina für ungültig erklärt wurde, da Anne mit Elisabeth schwanger war. Es waren für die beiden Liebenden also 7 lange Jahre des Wartens und Bangens! Die Serie kehrt das nicht so richtig heraus. Es werden auch keine Jahreszahlen angezeigt. Ansonsten ist die Geschichte fesselnd! Die Kostüme sind toll, die Schauplätze realistisch nachempfunden. Da es um Heinrich und Anne geht, fehlt mir persönlich Annes Verlobter Henry Percy, dessen Verlobung Wolsey 1525/26 auf Geheiß von Heinrich auflöste, obwohl Anne und H. Percy sich liebten! Percy taucht garnicht erst auf. Schade! Aber auch mit den vielen Fehlern ist die Geschichte um die Entstehung der anglikanischen Kirche und der späteren jungfräulichen Königin spannend genug. Das gibt die Serie auch wieder. Die Sprache ist gut verständlich, die Untertitel gut wiedergegeben. Also für jemanden, der sich für Heinrich interessiert, empfehlenswert. Aber jemand, der mehr über Annes Schwester erfahren möchte, wird enttäuscht, sie taucht nur zweimal auf.