Welles Verfilmung des Kafka-Romans habe ich mir in den vergangenen Jahren immer mal wieder in einem Kölner Programmkino angesehen, dort gehörte dieser düstere Klassiker ein-, zweimal im Jahr zum Programm. Da das Kino nun schon vor einiger Zeit schließen musste, entschloss ich mich zum Kauf der DVD.
Ich bin ein Freund dieses Filmes. Die Adaption von Orson Welles verändert die vieldeutig-schwebende Atmosphäre der Kafka-Parabel allerdings durch einen Eingriff in die Schluss-szene und einen Nachspann. Sein Film wird damit zur Zeigefinger-Stellungnahme gegen Gewalt und das atomare Rüsten der 1960-er Jahre. Das ist auch von der Logik des Plots, in dem Welles Kafka weitgehend folgt, aufgesetzt und entspricht natürlich nicht Kafkas Vorlage.
Der Film spricht durch seine Kulissen, die die Handlung in ein Setting aus der Zeit von Welles Regiearbeit versetzen. Was man da sieht gehoert zum besten, was ich je gesehen habe. Riesige Großraumbüros mit scheinbar hunderten von arbeitenden Angestellten, entleerte Vorstadtstraßen, von Menschen wimmelnde Gerichtssääle, von Akten überquellende Archivdepots. Hier hat die Filmarchitektur Kafkas Atmosphäre wirklich kongenial eingefangen. Für alle, die ein wenig an Architekturphantasien interessiert sind, ist diese Mischung aus großer Geste, Klaustrophobie und Verfall ein lohnende Sache. Auch die Besetzung: allesamt großartig.
Aber, aber, aber: die Bildqualität ist grottenschlecht und verdirbt einem jedem Spaß, der Ton hallig (nur Englisch) und die DVD bietet keinerlei Extras. Im Zeitalter der DVD ein Anachronismus! Sieht aus wie mit der Handkamera vom s/w-Monitor abgefilmt. Deshalb nur ein Punkt. Wird Zeit für eine vernünftige Neuedition.