Leider durch ein paar Widrigkeiten im Kino 1981 noch mehr untergegangen als seinerzeit die Rocky Horror Picture Show 1975 in ihrem Erscheinungsjahr, ist der Film Shock Treatment nur wenigen Leuten ein Begriff. Im Gegensatz zur Rocky Horror Show hat sich um Shock Treatment aber nicht im Laufe der Jahre ein Kult gebildet. Das ist schade, denn verdient hätte es der Film allemal. So liegt seit dem Shock Treatment-Flop der dritte Teil der Rocky Horror-Trilogie "Revenge of the Old Queen" bei Twentieth Century Fox auf Eis.
Auch wenn der Film als Sequel zur Rocky Horror Picture Show konzipiert wurde, ist er keine simple Fortsetzung oder gar - was bei Sequels ja auch oft vorkommt - eine plumpe Wiederholung mit ein paar kleinen Änderungen.
Ein paar Figuren inklusive der Hauptfiguren Brad und Janet finden sich auch in Shock Treatment wieder - wenn auch von anderen Schauspielern verkörpert. Dafür finden sich Schauspieler aus der Rocky Horror Picture Show wiederum in neuen Rollen auch in Shock Treatment.
Die Story nimmt bereits Anfang der 80er ziemlich genau und zynisch vorweg, was heute unter dem Label "Reality TV" bekannt ist: Leute werden vor Publikum vorgeführt, zu Stars und/oder zum Deppen gemacht und Eingeladene und Zuschauer einfach nur grotesk manipuliert.
Dass dies nicht als moralinsaure Dokumentation im Spiegel-TV-Stil daherkommt, sondern im beschwingten, musikalisch und szenisch überbordenden Richard O'Brien-Tonfall sollte jedem Rocky Horror Fan eigentlich klar sein. Wie bei der Rocky Horror Show ist jeder Song eine Offenbarung. Wer es schafft, bei "Denton, U.S.A" ruhig zu sitzen, der schläft wahrscheinlich auch beim Rocky Horror Time Warp ein. Vom ironisch erzählenden "Thank God, I'm a man" bis zum treibenden "Shock Treatment" reicht eine breite musikalische Palette, die sich vor der Rocky Horror Show nicht zu verstecken braucht.
Man muss den Film nicht kennen, um die CD zu lieben.
Und wer Rocky Horror Fan ist, sollte sowieso nicht lange überlegen.