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Mal abgesehen von dem Fremdkörper "Don't Say Nuthin'" -- ein Track, der mehr auf ein Busta-Rhymes-Album gepasst hätte, ist The Tipping Point ein sehr rundes Album mit trockenen Beats und überschaubaren, jedoch filigranen Arrangements. Soul und Jazz als stilbildende Elemente sind geblieben. Wie in dem herausragenden Opener "Star", eine musikalische Hommage an Sly & The Family Stone, in der die Roots "HipHop is not Pop like Kylie Minogue" singen, und sich auch danach immer stark politisch gegen Rassismus, Waffengewalt und Drogen äußern.
Nicht von ungefähr heißt das Album "Der Wendepunkt" und zeigt als Cover den jungen Malcolm X auf einem Foto während seiner ersten U-Haft. Den Abschluss und einen weiteren Höhepunkt bildet der letzte und 15-minütige Song "Why (What's Going On)", in dessen Schlussdrittel "Din Daa Daa (Trommeltanz)" von George Kranz überdeutlich zitiert wird. Auch damit war nicht zu rechnen. --Sven Niechziol
Wie immer sie es auch anstellen, der HipHop-Institution aus Philadelphia um Schlagzeuger und Produzenten Ahmir "?uestlove" Thompson gelingt es auch auf dem siebten Album The Tipping Point, alle Erwartungen zu übertreffen. Bereits die letzte Platte Phrenology war ein an musikalischer und textlicher Tiefenschärfe kaum noch zu übertreffendes Werk. Doch The Roots geben sich mit dem Erreichten auch diesmal nicht zufrieden und zeigen mit den zehn neuen Songs, dass sie mühelos in der Lage sind, das Tempo bei Bedarf noch einmal zu verschärfen.
Bereits der Opener, das auf einem Sample von Sly & The Family Stone ("Everybody Is A Star") basierende "Star", zeigt The Roots von ihrer verführerischen Seite. Der Beat ist so spartanisch angelegt, dass Black Thought mit seinen Reimen eindeutig die Führung übernimmt. "Star" ist aber bei weitem nicht die einzige Hymne, mit der die Band diesmal aufwartet. Die erste Single "Don't Say Nuthin'" verwöhnt den Hörer mit einem ungewöhnlichen Elektro-Groove, ohne dadurch an Eingängigkeit zu verlieren. Das gemeinsam mit der Rapperin Jean Grae eingespielte "Somebody's Gotta Do It" ist einer der schönsten Midtempo-Songs in der Karriere der Band. Die federleichte Melodie fesselt bereits nach wenigen Sekunden.
Es ist nicht übertrieben zu behaupten, dass The Roots mit The Tipping Point die Konkurrenz wieder mal sehr blass aussehen lassen, vom ersten bis zum letzten Song. Einen Ausfall leisten sie sich auch diesmal nicht. Im Moment gibt es keine andere Band, die ähnlich virtuos mit der Kunstform HipHop umgeht und dabei ständig nach neuen Wegen sucht. --Norbert Schiegl
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2. I don't care (feat. DOM)
Der Track gehörte zu den ersten, die für das neuen Album aufgenommen wurde. Obwohl ?uestlove und seine Musiker den Track in gerade mal 10 Minuten fertig hatten, ist ein sehr guter Beat herausgekommen. Black Thought reimt darüber und DOM liefert die Background-Vocals.
3. Don't say nuthin'
Die erste Single des Album ist der einzige Track, der keine Soul oder Fuk Einflüsse hat, sondern eher elektronisch klingt und mehr Basslastig ist. Das macht den Song natürlich nicht schlecht, aber sticht definitv aus dem Album heraus und bringt Abwechslung in das Gesamtkonzept.
4. Guns are drawn (feat. Aaron)
Hier folgt einer der besten Songs des Albums. Der politisch motivierte Text von Black Thought wird abgerundet durch die Hook von Aaron Livingston. Der Beat ist wieder melodischer und ruhiger. Entstanden ist er im Prinzip durch das Samplen der Aufnahmen für diesen Song. Die Roots haben also zuerst ein bisschen gejammed, und dann aus dieser Jam-Session die besten Teile herausgenommen und damit den Beat gebaut. Über den ganzen Track wurde nachher noch EchoFX gelegt, wodurch die Vocals noch besser in den Beat eingebaut wirken, was den Song noch besser klingen lässt. Das war allerdings gar nicht beabsichtigt, sondern ?uestlove erklärt, dass das EchoFX benutzt wurde, um Sampling zu verhindern...
Es folgt ein Live-Outro der letzten Tour, dass gleichzeitig das Intro für den nächsten Track ist.
5. Stay cool
Für diesen Track wurde „Harlem hendo" von Al Hirt gesampled, dass auch schon De La Soul für ihren Track „Ego Trippin' (Part 2)" benutzt haben. Die Roots räumen damit wiedereinmal mit dem Gerücht auf, sie wären eine Anti-Sampling-Gruppe.
Der Track ist zwar auf keinen Fall schlecht, im Verhältniss zum Rest des Albums ist er aber doch ein bisschen unter dem Durchschnitt. Musikalisch klingt er nicht immer ganz rund.
6. Web
Aus Rap-Technischer Sicht ist dieser Track mit Sicherheit der beste des Albums. Der Beat geht sehr in Richtung Old-School. Es ist ein simpler Schlagzeug-Bass-Beat, ohne viel drumherum.
Black Thought reimt darauf 85 Bars durch, ohne Hook oder Refrain.
7. Boom!
An dem Old-School Stil setzt „Boom!" nahtlos an. Allerdings gibt es jetzt noch eine kleine Hook. Der Track ist der einzige des Albums, der etwas in Richtung eines Old-School-Party Jams geht.
8. Somebody's gotta do it (feat. Jean Grae, Mack Dub & Devin the Dude)
Für Unmengen von Features waren die Roots ja noch nie bekannt, umso mehr überrascht es den langjährigen Fan jetzt, wenn sich hier gleich drei Gäste tummeln.
Jean Grae wurde ja schon mehrfach, auch von den Roots selbst, als Nachfolgerin von Scratch als neues Gruppenmitglied ins Gespräch gebracht. Zumindest für dieses Album ist es dazu noch nicht gekommen, aber sie darf hier eine Strophe beitragen. ?uestlove spricht von ihr als „dem besten MC, von dem man noch nie was gehört hat". Devin darf natürlich die Hook singen, und Mack Dub trägt Strophe Nummer 3 bei. Dabei fällt besonders bei Jean Grae eine exzellente Reimtechnik und Wortwitz auf.
9. Duck down
Der Beat dieses Tracks gefällt mir nicht so richtig gut. Er klingt etwas roh und metallisch. Wenig nach der Live-Band The Roots. Damit will ich nicht sagen das er schlecht ist, denn einen schlechten Track hat dieses Album nicht, aber es klingt einfach nicht nach den Roots.
Gerichtet ist er gegen ihre Kritiker und die Oberflächlichen Fans, die sich zwar als Fan ausgeben, aber eigentlich nichtmal einen Namen eines Songs oder Albums kennen.
10. In Track Nummer 10 verstecken sich eigentlich gleich drei Tracks. Der ausgeschriebene Track „Why (What's going on?)" und zwei Hidden Tracks, die ich jetzt einfach mal mit a), b) und c) durchnummeriere.
10 a) Why (What's going on?)
Der Track gehört sowohl inhaltlich als auch musikalisch zu den besten des Albums. Der Song ist sehr gesellschaftskritisch. Zum Thema passt der eher traurige und ruhige Beat mit dem gesamplete „Why?" im Refrain. Ein sehr guter Track!
10 b) The mic
Der Track war ursprünglich als regulärer Album-Track geplant, wurde dann aber doch nur zum Hidden-Track. Der eher schnelle Beat hebt sich wieder mehr vom Album ab, klingt aber gut ist vor allem der einzige Track des Albums der auch absolut Dancefloor tauglich ist, ohne wie ein moderner Pop-Rap-Track zu klingen. Black Thought erzählt von seiner ersten und einzigen Liebe, „The mic".
10 c) ?
Ein kleiner Semi-Acapella Track. ?uestlove trommelt, der Rest des Songs besteht aus Mund-Gemachter Musik. Allerdings ist es kein reines Beatboxing. Auf jeden Fall eine ineressante Idee, ein netter Bonus und vor allem wirklich super gemacht!
Erst am Ende des Tracks kommt eine Keyboard-Melodie dazu, die nach und nach des ganze übernimmt und dann den Track und damit auch das ganze Album ausblendet.
Fazit:
Als Fan der Roots ist man inzwischen einiges gewöhnt. Als Old-School-Rap-Band traten sie anno 1992 auf die große Bühne des Rap. Spätestens bei „Do you want more!!!???!" übernahm der Soul-Einfluss die Musik. Auf „Things fall apart" und „Phrenology" experimentierten sie dann mit eigentlich allen Musik-Richtungen, wodurch sie einerseits mehr neue Fans ansprachen, aber auch viele Old-School Fans leicht verärgerten. 2004 melden sie sich dann plötzlich mit frischem aber reinem Rap, ohne Experimente und nur mit leichten Soul und Funk Einflüssen zurück. Die Legendary Roots Group geht also „Back to the Roots".
Insgesamt umfasst das Album zwar nur 10 Tracks und 2 versteckte Bonus Tracks, aber diese 10 haben es in sich. Qualität statt Quantität ist hier nicht nur ein Spruch. Sowohl musikalisch als auch lyrisch liefert die Gruppe ein absolutes Top-Album, dass zumindest meinerseits schon jetzt ein ganz heißer Anwärter auf den Titel „Album des Jahres 2004" ist.
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