Ach ja, Time Tunnel! das ist so eine Erinnerung wie "Raumschiff Enterprise" oder "Kobra, übernehmen Sie!", für mich also eine der frühesten regelmäßigen Fernseherfahrungen, die ich gesammelt habe. Und war ich von der kruden Idee damals begeistert!
Zwei Physiker (gut aussehend - die Klamotten werden auch nie dreckig - , athletisch und in Physik ebenso bewandert wie in griechischer Geschichte, Schwertkampf und anderen nützlichen Gebieten) gehen im "Zeittunnel" ("Amerikas greatest and most secret inventure" betont die off-Stimme zu Beginn) verloren, werden dabei aber von ihrem Technik-Team beobachtet, landen immer wieder an anderen Zeiten und/oder Orten und erleben mehr oder weniger (meistens weniger) zeitgerechte Abenteuer. Sehr Kampf-affin geht es dabei zu: Little Big Horn, Gettisburgh, Cortez gegen die Inka, Briten gegen Araber, Japaner geegn Amerikaner, es ist alles dabei. Und eingestreut immer wieder ein paar Aliens die - natürlich - durchweg die Erde zerstören wollen. Parallel kämpft die Heim-Crew mit technischen (es explodiert ständig irgendetwas), politischen (Spione) und anderen (Aliens) Problemen. Und während man locker Gegenstände aller Art und Personen durch den Tunnel hin- und zurückholt (da landet dann schon mal ein Römer vor Ort), gelingt es immer nur,die beiden Helden aus dem gröbsten Streß heraus- und meistens in den nächsten hineinzutransferieren, nicht aber, sie heimzuholen.
Als treue Trekkie gewohnt, elendiglich lange Diskurse über die Einhaltung der Zeitlinie und das Nicht-Eingreifen in die Vergangenheit zu führen , sehe ich vergnügt, wie unsere Protagonisten Herrn Odysseus (der wie übrigens auch Menschen aus dem alten Testament oder die Inka fließend Englisch beherrscht - von Aliens erwartet man das ohnehin) zu seiner Pferd-Idee vor Troja beglückwünschen oder den Kaptiän der Titanic mit der Tageszeitung aus der Zukunft in der Hand vom Eisberg zu überzeugen versuchen. Großzügig wird dabei die Herkunft aus der Zukunft weitergegeben, was zum Glück ohnehin kaum einer glaubt.
Auch die Arbeit der Techniker zu Hause ist gefährlich: als ein Mitarbeiter der Heim-Crew reanimationspflichtig wird, reißt man kühn ein Kabel aus dem Hauptcomputer, verbindet die Anschlüsse wie beim Überbrückungskabel und defibrilliert. Im Anschluß steht der Mitarbeiter (der wahrscheinlich Schlimmeres gewohnt ist) auf und schlurft erschöpft davon. Das ist trotzdem irgendwie wunderbar und erinnert stark an ein Comic.
Wer allerdings nicht ein Faible für die Zeit oder den Spaß an der Erinnerung hat, wird vermutlich nur wenig Gefallen an den Geschichten haben: sie sind gnadenlos Technik-gläubig, USA-huldigend und grauenvoll unlogisch (auf der Wikipedia-Seite sind etwa 10 "Anomalies" aufgezeigt, das ist allerdings in etwa die Menge pro Folge). Leider fehlt es völlig an Humor und Selbstironie, etwas, das andere Serien auch ohne den Nostalgiefaktor heute noch attraktiv macht: "Raumschiff Enterprise" und "The Avengers" sind da eine ganz andere Klasse. Und hier gibt's auch den Abzug.
Ich habe mich noch nicht durch alle Folgen meiner "Complete-Ausgabe" geguckt, freue mich aber schon auf den Piloten. Die Verpackung der Discs ist meiner Meinung nach o.k.; kaputtgegangen ist mir noch keine DVD. Das Zusatzmaterial habe ich noch nicht gesehen, aber dazu wurde ja schon kommentiert.
Eine Kaufempfehlung für die, die mit den Serien der Ära entweder großgeworden sind oder sie anders für sich entdeckt haben. Und für die Logik nicht das Maß aller Dinge ist....