ATCQ konnte, nach einigen Zusammenarbeiten/-auftritten mit De La Soul und den (im Laufe der Zeit leider nicht mehr relevanten) Jungle Brothers 1990 ihr Debutalbum hinlegen, welches mit großer Begeisterung empfangen und gewürdigt wurde. Gerade mal ein Jahr später erschien "The Low End Theory", welches nochmal eine Steigerung zu ihrem ersten Klassiker werden sollte. Im Vergleich zu ihrem Erstling hat sich einiges getan um Q-Typ und Phife und zwar vor allem im musikalischen Sinne. Die komplette Platte ist extrem homogen gehalten mit (fast) immer der gleichen Erfolgsformel: viele Drums, "harter" Bass und einfach gehaltene Soundstruktur, gepaart mit jeder Menge Jazzelemente. Die bevorzugte Verwendung von Jazz (und teils auch Soul-Stücken) galten so ein bisschen als eastcoast'sche Antwort zur langsam aber sicher auftretenden neuen Funkrichtung der Westküste.
Der besondere und einzigartige ATCQ-Sound (dessen Stil zwar bekannt, aber nie so perfektionistisch-elaboriert gewesen war) machte die Platte zum Außergewöhnlichen, die schnellen Drums, der kräftige Bass lassen wie nichts anderes den Körper bewegen, den Kopf nicken, den Gemütszustand aufleuchten. Dies demonstriert bereits der grandiose Anfangstrack, "Excursions", der ziemlich perfekt den eben genannten Sound darstellt: er fängt relativ geschmeidig an, irgendwann folgen die Drums, zu denen Q perfekt seine Rhymes losfeuert und endet vorerst mit einem wundervollen jazz-melodiösen Zwischenstück, ehe die Show weitergeht - für mich einer der mit Abstand besten Opener überhaupt. Sehr genial auch der darauf folgende Titel "Buggin' Out", der die gleiche Qualität aufweist. Trotz der einheitlich gehaltenen Musikstruktur ist "The Low End Theory" erfreulich abwechslungsreich, so gibt es neben diesen "bewegenden"/mitreißenden Stücken auch die der entspannnenden Sorte wie etwa "Jazz (We've Got)" oder "Vibes And Stuff" (wieder mit einem traumhaften Zwischenstücke, auf Refrain wird öfters verzichtet). Die Produktionen wissen generell als Gesamtpaket zu gefallen, Langeweile taucht ein keiner Stelle auch nur ansatzweise auf.
Raps und Inhalte überzeugen sowieso; Q gehört zu den cleversten und flowstärksten Rappern überhaupt (zeichnet sich natürlich auch mit seiner nasalen Stimme aus), Phife ist etwa auf derselben Wellenlänge (wenn auch mit weniger Einsätzen) und die perfekte Ergänzung. Thematiken sind auch für damalige Verhältnisse altvertraute: Musikindustrie-Kritik, Gewalt oder auch Widmung der eigenen jazzigen Stilrichtung. Gut gewählt sind auch die Features, mit Brand Nubian, Diamond D und ein gewisser Busta Rhymes (mit seiner berühmten "RRRRRROAW RRRRRRROAW like a dungeon dragon"-Line, von "Scenario").
"The Low End Theory" ist nicht einfach nur ein Klassiker, wie viele andere auch von den 90er, es ist ein universelles, genreübergreifendes Meisterwerk (weswegen die Hälfte der ATCQ-Hörer nicht zwingend Rap-Fans sind). Grund dafür ist natürlich vor allem die innovative Mischung aus melodiösen Jazz und "ruffen" minimalistischen Effekten - sozusagen "staubtrockene Melodie", die bei jedem Hinhören immer wieder etwas neues zu endtecken bereit hält und das ist auch heute, zwei Dekaden später, der Fall. Definitiv eine der essentiellsten Musikplatten der letzten Jahrzehnte!