Die hilfreichsten Kundenrezensionen
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20 von 25 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Die Maske des Weißen Todes, 1. Mai 2007
Am 19. Mai 1845 bricht die sog. John-Franklin-Expedition von England aus auf, um endlich die sagenumwobene Nordwestpassage durch die Arktis zu finden.
Sie besteht aus den zwei, extra zu diesem Zweck, um- und ausgebauten Segelschiffen HMS Erebus, unter Captain James Fitzjames, und der HMS Terror, unter Captain Francis Crozier. John Franklin selbst bekam das Oberkommando über das gesamte Unternehmen.
Am 26. July 1845 werden beide Schiffe, mit den verbliebenden 129 Mannschaftsmitgliedern, das letzte Mal von Europäern gesehen.
Nachfolgende Such- sowie andere Arktisexpeditionen fanden von den Besatzungen hinterlegte Nachrichten und befragten Inuits über das Schicksal der 129.
Zusammen mit meteorologischen Aufzeichnungen und einigen Exhumierungen konnte somit einiges rekonstruiert werden.
Angefangen von dem Pech gerade zum Höhepunkt einer etwa 700 Jahre dauernden Minieiszeit los zu segeln, über den Betrug des Stephen Goldner, der der Admiralität Nahrungsmittel in fehlerhaft verlöteten Dosen verkaufte, über die Borniertheit britischer Offiziere im 19. Jahrhundert, über die Kälte von bis zu unter -60°Celsius inklusive diverser Frostbeulen, über den Nahrungsmangel, über den quälend langsamen Tod durch Skorbut (Vitamin C Mangel)und Vergiftung bis hin zu kannibalistischen Handlungen.
Dan Simmons hat natürlich gut recherchiert.
Er nimmt die vorhandenen Fakten als Gerüst und ergänzt diese mit seiner Fiktion.
Dies gelingt ihm auch ausgzeichnet. Ein historisch herausragendes Datum ist z.B. der 11. Juni 1847, denn dies ist der schriftlich festghaltende Todestag von John Franklin. Was die beiden Captains Crozier und Fitzjames nicht mitgeteilt haben ist, wie Franklin starb, dies teilt uns jetzt erst Dan Simmons mit. Nur soviel dazu: Es ist eine alles andere als angenehme Erfahrung für Franklin.
Simmons beschreibt deteilreich das Leben und Sterben der Seeleute und umschifft erfolgreich sprachliche, wie auch handlungstechnische, Anachronismen.
Die Handlung des Romans beginnt im Oktober 1847, also zu einem Zeitpunkt, als die beiden Schiffe schon im Eis festsitzen. Die einzelnen Kapitel werden immer aus der Sicht des hauptsächlich Handelnden erzählt, wobei hier einer der Schiffsärzte, Dr, Goodsir, insofern eine Ausnahme ist, weil seine Kapitel in Tagebuchform gereicht werden.
Klar, das der unweigerliche Tod der Protagonisten sich dann auch meist in ihren Kapiteln abspielt. Auch im Fall von Dr. Goodsir sehr eindrucksvoll gelöst.
Im Fall von John Franklin und Francis Crozier gibt es auch einige Rückblenden in Form von Erinnerungen, die deren Leben vor dieser Expedition beschreiben. Sehr schön sind z.B. Franklins prüde Phantasien über die weibliche Schambehaarung, sowie Croziers Verführung im Schnabeltierteich:-)
Überhaupt hätte dies ein historischer Roman erster Güte werden können, doch Dan Simmons wäre nicht Dan Simmons, wenn er nicht auch noch das ein oder andere phantastische Element in die Geschichte eingebaut hätte.
Hervorzuheben wären hier Captain Croziers schwachen hellseherischen Fähigkeiten, die ihn, ausgerechnet zu einem entscheidenden Zeitpunkt, im Stich lassen und ein monströses Ding auf dem Eis, das unseren Protagonisten mehr als einmal zeigt, wer hier am Ende der Nahrungskette steht.
Ersteres benutzt Simmons, um dem Leser auch Dinge mitzuteilen, die die Protagonisten eigentlich nicht wissen können und zweiteres, um ein zusätzliches Spannungsmoment einzubauen.
Interessanterweise scheint der Roman manchmal genau an diesen Punkten zu zerfallen, denn er hätte als historischer Abenteuerroman ohne Monster genauso bestanden, wie als Horrorroman, ohne all zu viele historische Details.
Ein weniger guter Autor hätte diese Symbiose nicht so hinbekommen.
Ausgeschmückt wird das ganze dann noch, in Simmons unnachahmlicher Art, mit Zitaten von Edgar Allen Poes DIE MASKE DES ROTEN TODES und Thomas Hobbes LEVIATHAN. Das Ende hat sogar einen Hauch von DIE MEUTEREI AUF DER BOUNTY.
Auch ich möchte es hier nicht unerwähnt lassen. Simmons hält die Kontinuität seiner Geschichte bis einschließlich Kapitel 59 durch, dann erfolgt eine Zäsur. Er hat sich dafür entschieden, den Hintergrund der Bestie vom Eis etwas zu beleuchten. Dies wäre wohl nicht notwendig gewesen, aber meiner Meinung schadet es auch nicht wirklich.
Für Freunde wortgewaltiger Literatur sehr zu empfehlen. Für Freunde historischer Abenteuerromane genauso wie für Horrorfans. Ferner bleibt sich Simmons auch in diesem Werk treu, seltsame Romanzen einzubauen, wobei auch die gleichgeschlechtliche Liebe hier nicht zu kurz kommt.
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5 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Hervorragend, 22. März 2007
Dan Simmons beginnt seine Geschichte über Sir John Franklins letzte Expedition im Oktober 1847. Die beiden Schiffe der Royal Navy, die HMS Terror und die HMS Erebus stecken bereits seit zweieinhalb Jahren im Packeis der Antarktis fest Die130-köpfige Mannschaft sieht einem weiteren Polarwinter und somit Monaten permanenter Dunkelheit entgegen, in denen sie nicht nur gegen die unerbittliche Kälte, gegen Skorbut und Nahrungsmangel, sondern auch gegen ihre eigenen inneren Dämonen zu kämpfen hat.
Darüber hinaus fallen einige Offiziere und Gefreite einem Wesen zum Opfer, das sich in den Schneestürmen und Nebelschwaden materialisiert. Schnell verbreitet sich das Gerücht, dass dieses Wesen in Kontakt mit einer geheimnisvollen Eskimofrau steht, der die Besatzung der Terror Unterschlupf gewährt hat. Auch sie verschwindet immer wieder auf mysteriöse Weise. Als der Schiffsarzt Dr. Goodsir bei seiner Untersuchung entdeckt, dass ihr die Zunge herausgerissen wurde, halten sie viele für eine Hexe.
Dies ist erst der Auftakt einer deprimierenden, klaustrophobischen Erzählung, die in geschickten Rückblenden und aus unterschiedlichen Perspektiven auf ein hoffnungsloses Ende zusteuert. Selten gelingt es einem Autor, eine Atmosphäre zu erzeugen, die so beklemmend ist, dass sie auf unangenehme Weise spürbar wird. Lesen wird zum Ausharren in einer versiegelten Kältekammer, deren einzige Lichtquelle eine fast heruntergebrannte Kerze ist.
Der Roman ist nicht makellos. An den letzten 80 Seiten mit ihrer spirituellen Wendung der Ereignisse wird nicht jeder Geschmack finden, zumal das durchaus interessante Eintauchen in die Mythenwelt der Inuit streckenweise etwas paradox anmutet. Einerseits stellt Simmons die Gestalt des Tuunbaq als eine Art schamanistischen Hilfsgeist dar, ein Seelenfresser mit moralischer Entscheidungskraft, anderseits ist er auch ein Dämon, der nicht zwischen Gut und Böse unterscheidet. Der Gestalt des Kapitän Crozier verleiht Simmons hellseherische Fähigkeiten, die ausgerechnet dann versagen, als er in sein Verderben rennen muss. Diese Deus Ex Machina Wendungen wirken nicht ganz schlüssig, bleiben aber geringe Irritationen in einem Roman, der nicht nur Genreliebhaber fesseln dürfte, sondern auch alle, die eine exzellent recherchierte historische Fiktion zu schätzen wissen. Ich empfehle dazu Fausthandschuhe, dicke Wollsocken und eine warme Decke.
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2 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Die einsame Spitze des Eisbergs ..., 18. Juni 2007
Ich stimme den anderen Rezensenten zu: Simmons "Terror" funktioniert als komplexe Abenteuergeschichte genausogut wie als subtiler Horror-Roman, und die Einsamkeit der fehlgeschlagenen Arktis-Expedition ist geradezu klaustrophobisch fühlbar. Hervorragend auch die überraschende und gelungene Wendung, die der Plot gegen Ende nimmt. Das Buch hat mich neugierig auf weitere Dan Simmons-Titel gemacht.
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