Kurzbeschreibung
Ende 2005 in Wien gegründet, gelang es JA, PANIK mit ihrem ein Jahr später erschienenen - überaus erfolgreichen -selbstbetitelten Debüt die dortige Indieszene kräftig aufzuwirbeln. Nun legt das Quintett mit The Taste And The Money beindruckend nach. JA, PANIK spielen kraftvolle deutschsprachige Rockmusik, die meilenweit entfernt ist vom wohlbehüteten, durchschnitt-lichen Indie-Rock mitsamt seiner vermeintlichen Coolness. Überhaupt greifen musikalische Vergleiche im Fall von JA, PANIK zu kurz. Mal klingt die Band nach kunstvoll gebrochenem Punk, dann wieder schlägt die frühe Britpop-Prägung durch, oder die Liebe von Sänger und Songschreiber ANDREAS SPECHTL zu BOB DYLAN. JA, PANIK gelingt es, den Stoff, aus dem unser Alltag ist, auf präzise und gleichermaßen poetische Weise zu benennen und in explosive Songs voller Authentizität (plus Charme und Humor) zu verpacken. JA, PANIK sind intelligente Pop-Protagonisten, die kluge Stilzitate mit Punk-Attitüde und politischer Reflexionen (Herzschmerz inbegriffen) zu einer geschlossenen Einheit verbinden, die ihresgleichen sucht. Zudem besitzt die Band mit ANDREAS SPECHTL, der seit einiger Zeit auch als Livegitarrist für BRITTA tätig ist, einen ausdrucksstark agierenden Sänger mit Hang zum Exzess. Mit Satellite Of Love wird zudem ein frühes Solowerk von LOU REED lässig ins musikalische Konzept der Band überführt.
Der Titel kann Angst machen. Angst, dass Ja, Panik von nun an Englisch singen. Sind sie es vielleicht leid, mit Falco und Christina Stürmer in einen Topf geworfen zu werden, nur weil sie aus Österreich kommen, Deutsch singen und den meisten zu dieser Konstellation nun mal mehr nicht einfällt? Der Titelsong zieht einen jedenfalls ganz weit runter. Schluriger Gitarrenton, Mundharmonika und schiefer Deprigesang. Und: Englisch. Dann aber rafft sich die Band auf und schlägt altbekannte Töne an. Andreas Spechtl hört sich so nachdenklich bis aufgeregt und hysterisch an wie beim brillanten ersten Album. Indiepop wie aus guten alten Hamburger-Schule-Tagen hetzt ins Heute und nimmt auf dem Weg noch ein wenig schrille 80er-Agression mit. Die Poesie der Burgenländer und Wahlwiener erschließt sich zwar manchmal nicht auf den ersten Blick, sicher gibt es immer irgendwo schlaueren, melodischeren, treffenderen deutschen Pop. Aber mit abgründigen kleine Oden wie "Wien, du bist ein Taschenmesser" und Bonbonbruch wie "Roadmovie to" verdienen sie sich ihren Platz bei den Großen. (kab)