Horror-Knast
Man ist als Fan von Horrorfilmen ja schon dankbar, wenn man sich nicht permanent in irgendwelchen unterirdischen Produktionen wiederfindet, die nur durch miese Darsteller, Porno-Synchro, schlechte Effekte und eine hanebüchene Story auffallen. Ja, man freut sich richtiggehend, wenn man mal an Darsteller gerät, die selbst der einfallslosesten Charakterzeichnung durch ihr Können noch einen Hauch Glaubwürdigkeit verleihen können. Wenn die Geschichte mal nicht so strunzdämlich ist, dass man schon nach wenigen Minuten in faustgroße Logiklöcher fällt. Und wenn die Effekte mal nicht aussehen, als hätte man Himbeersoße auf eine Gummipuppe gekippt. So ein Film ist "The Task". Das macht aus ihm leider trotzdem keinen wirklich guten Film und so richtig spannend ist das Ganze leider auch nicht, aber zumindest wird man nicht über Gebühr mit idiotischem Scheiß konfrontiert, der einem Gefrierbrand im Hirn verursacht. Und das liegt (in unterschiedlicher Zusammensetzung) an einem souveränen Cast, stimmigen Locations, halbwegs gelungenen Effekten und einer Story, die zwar die 90 Minuten Dauer des Films nicht ausfüllen kann, aber dennoch teilweise überzeugt. In der Summe macht das allerdings auch nicht mehr als das allseits bekannte "Kann man gucken, muss man aber nicht". Nun denn...
Eine gute Handvoll Twentysomethings wird nacheinander entführt und in einen Lieferwagen geworfen. In der Nähe eines alten Gefängnisses werden sie freigelassen und man teilt ihnen mit, ha ha, dass sie ab sofort Teilnehmer einer neuen Realityshow seien, für die sie sich vor einiger Zeit selbst beworben hatten. Sie müssen in einem stillgelegten Gefängnis, in dem es angeblich spukt, diverse Mutproben bestehen, am Ende winkt dafür ein hoher Geldpreis. Unsere Adrenalinjunkies haben da natürlich richtig Bock drauf und flugs finden sie sich auch schon in dem alten Gemäuer wieder. Nacheinander müssen sie nun einzeln oder zu mehreren zu ihren Mutproben antreten. Und dabei geht natürlich Einiges gründlich, äh, blutig schief. Denn bedauerlicherweise hüpft der Geist des ehemaligen, sadistischen Gefängnisdirektors noch von Zelle zu Zelle, und dem sitzt offensichtlich noch der ein oder andere Furz quer, was er an unserem Haufen unfreiwilliger Geisterjäger auslässt. Die Nacht ist lang, die Lebensdauer kurz und wenn der Morgen graut, sind die Protagonisten um einige Erfahrungen reicher oder um ihr Leben ärmer.
"The Task" ist ein Film aus der Horrorreihe "8 Films to die for". Auf dem seit 2006 jährlich in den USA stattfindenden "After Dark Horrorfest" präsentieren jeweils acht Regisseure eines ihrer ersten Werke oder ihr Erstlingswerk. Später dann kann man alle Filme des Festivals in einer Box käuflich erwerben. Unter den "8 Films to die for" waren in den vergangenen Jahren Filme wie "Frontier(s)", "The Gravedancers", "The Hamiltons", "Dying Breed" und "Dread. Und nun also "The Task". Dazu kurz zur Ausstattung der Scheibe: Ton in deutsch und englisch in DD 5.1, dazu lediglich ein Behind the Scenes- Feature und die Trailer aller acht "8 Films to die for" von 2011. Das war's.
So, was haben wir hier nun? Zumindest erstmal fähige Darsteller, nämlich unter anderem Victor McGuire ("My Week with Marilyn"), Adam Rayner ("Mistresses", "Hawthorne"), Antonia Campbell-Hughes ("Albert Nobbs"), Ashley Mulheron ("The Bang Bang Club") und Texas Battle (der natürlich nicht wirklich Texas sondern Clifton mit Vornamen heißt, sich aber dennoch einen coolen Künstlernamen ausgedacht hat) aus "Wrong Turn 2" und "Final Destination 3". So. Sie alle garantieren, dass ihre Figuren, so oberflächlich sie auch gezeichnet sein mögen, recht glaubhaft rüberkommen. Vor allem aber muss man sich nicht mit miesen Darstellerleistungen abplagen, der Cast agiert souverän im Mittelmaß, was den viel Schlimmeres gewohnten Horrorfan milde stimmt. Natürlich hat jeder der sechs Geisterjäger irgendwelche Ängste, die dann, welch Überraschung, stets Teil der zu absolvierenden Mutprobe sind. So muss die Vegetarierin Fleisch essen und ein klaustrophobisch Veranlagter wird in eine enge Kiste gesperrt usw. Parallel zur Handlung im Gefängnis sehen wir die Produzenten der Show, die erst nach und nach mitkriegen, dass da im Knast wohl nicht alles mit rechten Dingen zugeht.
Das ist nun leider alles nicht sonderlich spannend, weil es auch diese Geschichte in zahlreichen Variationen schon gegeben hat. Letztendlich ist es immer dasselbe... junge Leute kommen an einen unheimlichen Ort und werden dezimiert. Wenn einem das jedoch klar ist, kann man "The Task" durchaus die ein oder andere nette Szene abgewinnen. Die Dialoge wirken meist authentisch, die Locations sind schön schaurig dunkel und eine Handvoll blutiger Mordfälle gibt es auch. Dazwischen wird es allerdings oft zäh. Endloses Rumgerenne und -gelaber in verlassenen Zellentrakten, Überblendungen zu den ebenso uninteressanten Dialogen im Produktionstrailer, kaum echter Horror und noch weniger zünftig blutige "Auseinandersetzungen". Und auch das "überraschende" Ende, das sogar zwei Haken schlägt, ist nicht sonderlich überzeugend. Das ist in der Summe einfach zu wenig für den kurzweiligen, brutalen Horrorfilm, der "The Task" wohl gerne wäre. Für Angst-Anfänger sicherlich ausreichend verschreckend, für Profis eher belächelnswert. Alles in allem aber ein ordentlich budgetierter und somit einigermaßen gelungener Streifen, so dass ich mich mal zu knappen drei von fünf Zellentüren, hinter denen sich Schreckliches abgespielt hat, hinreißen lasse.