Ein unglaublich detailliertes Buch, das ich jeden empfehlen kann, der Sweschnikow mit Schwarz spielt oder eben mit Weiss dagegen spielen möchte!
Grossmeister Rogozenko ist als Sweschnikow-Experte geradezu prädestiniert für ein komplettes Buch zu dieser brandaktuellen und scharfen Variante des Sizilianers und "updated" damit auf 340 Seiten seine eigene vor Jahren herausgebrachte CD-ROM zur selben Variante!
Beim Sweschnikow-Sizi gibt es das alte und bekannte Silman-Strategem in Reinform: Weiss spielt mit intakter Bauernstellung gegen Läuferpaar und entwerteter Bauernstellung, Statik gegen Dynamik. Während Weiss meist versucht, unter Tausch der weissfeldrigen Läufer einen Freibauern am Damenflügel zu bilden, sucht Schwarz den Königsangriff oft entlang der g- und f-Linie, wobei ihm die typischen Bauernhebel f6-f5 und d6-d5 sowie
das Läuferpaar behilflich sein sollen. Für einen spannenden Kampf ist also gesorgt! Und besonders dynamische Spielernaturen, die gern auch mit Schwarz auf Gewinn spielen, werden im Sweschnikow und besonders in diesem Buch von Rogozenko einen treuen Freund und Weggefährten finden! Denn sowohl qualitativ
wie auch quantitativ ist dieses Buch schlechtweg nicht zu toppen!
Die Partien sind hervorragend ausführlich kommentiert, doch merkt man Rogozenkos Variantenauswahl gerade bei eher seltenen Abspielen an, dass das Buch vor allem für (Sweschnikow-)Fortgeschrittene geschrieben und somit nicht völlig "komplett" ist. Rogozenko konzentriert seine Selektionen dabei vorwiegend auf die für Schwarz besten Abspiele. Ein Weiss-Spieler, der sich überlegt, den Sweschnikow-Experten frühzeitig mit e4 c5, Sf3 Sc6, d4 cd4:, Sd4: Sf6, Sc3 e5, Sf5!? von bekannten und weit ausanalysierten Wegen zu bringen, wird überrascht werden, wenn Schwarz nach 6. ...d5, ed5: Lf5:, Df3 nicht gemäss Rogozenko mit dem besten Zug 8. ...Dd7, sondern mit 8. ...Dc8?! fortsetzt,
was Weiss nach 9. La6! Chancen auf Vorteil erlaubt. 8. ...Dc8?! und 9. La6! werden nicht erwähnt und auch, wenn dies nicht so schwer zu finden ist, so hätte es doch erwähnt werden können. Ungenauigkeiten im 18. oder 19. Zug herum - Stellungen also, die man ohnehin eher nur selten aufs Brett bekommt - werden dafür umso ausführlicher besprochen; aber das ist nur eine winzige
und zu vernachlässigende Beschwerde eines Sweschnikow-Neulings.
Rogozenko scheint mit diesem Sweschnikow-Wälzer seiner Zeit meilenweit voraus! Solch ein Buch wünscht sich jeder für seine Lieblingseröffnungen - und für Sweschnikow-Haie und -Fans
wird "Der Rogozenko" sicherlich für die kommenden Jahre zur Bibel! Und das zurecht!