Nicht überall wo greatest hits draufsteht, sind sie auch drin - hier fehlen einige, z. B. "where did our love go", "you keep me hanging on" oder "you can't hurry love", dafür sind "Mame", "yesterday" oder "somewhere" drauf; bestimmt keine Megaseller der Supremes. Aber gerade die Musical- und Beatles-Einlagen zeigen eine seltem gewordene Vielfältigkeit. Und man wird mit einem "extra" belohnt, auf dem noch die leider viel zu früh verstorbene Florence Ballard und eine zaundürre Kindfrau zu sehen ist, die später als Diana Ross - noch lange vor Madonna - der erste weibliche Pop-Weltstar wurde. Im Hauptteil liefern drei junge Frauen, alle schon gestandene Profi-Sängerinnen mit unübersehbarer Bühnenpräsenz, eine Art Lehrstück für heutige Casting-Nullen ab: Rein mit Stimme und Personality legen sie eine absolut hinreißende Show hin, die auf heute übliche Laser- und Nebeleffekte oder halbnackte Waschbrettbauchtänzer gänzlich verzichten kann. Dafür sorgen ein richtig großes Orchester und eine eingespielte Rhytmuscombo für einen authentisch satten Sound, der noch keine Computer und sonstige Kunstgriffe braucht und ohne Schaden die Mono-Tonspur überstanden hat. In fast schon dokumentarischem Schwarzweiß sorgen hochgeschlossene Glitzerkleider für x-mal mehr Sexappeal und Erotik, als alle bauchfreien Beyonces, Shakiras und wie sie heißen mögen zusammen. Diese 36 Jahre alte Aufzeichnung aus dem Amsterdamer Concergebouw ist eine echte Entdeckung und sollte in keiner Supremes-Sammlung fehlen, ist aber auch für alle interessant, die legendäre Top-Größen des Showbiz der 60er hautnah erleben möchten.