Shoshana Zuboff
The support Economy
Penguin Books New York 2002
Shoshana Zuboff, die zusammen mit Ihrem Ehemann und ehemaligen CEO von Laura Ashley, James Maxmin, dieses Buch publiziert hat, war als erste Frau „tenured professor“ an der Harvard Business School und erregte 1988 grosses Aufsehen mit Ihrem ersten Buch „In the age of the smart machine“, das zum Kultbuch des Computerzeitalters avancierte.
Ziemlich genau zehn Jahre später machte Sie sich auf den Weg, den Kapitalismus in seinem Niedergang zu beschreiben. Das Buch hat den vielsagenden Titel „Support Economy“ und beschreibt das Versagen der Dienstleistungsgesellschaft, etwas was wir jeden Tag als Kunden erleben können. Sie haben sich vermutlich auch schon genervt, dass fast nichts mehr funktioniert. Zuboffs Lieblingsbeispiele stammen aus dem Bereich des Gesundheitswesens oder der Airline.
Die Dienstleistung wird schlechter und teurer. Das gessamte System der Administration versagt. Das Gesundheitssystem ist ein schönes Beispiel, dass diese Organisationen letztlich Bürokratien geworden sind, die total versagen, die immer teurer werden und dem Kunden letztlich in keinster Weise dienen. Gesundheitskosten sind unkontrollierbar, 80% der Kosten werden für die Administration eines Systems verwendet, dass sich nicht mehr auf den Kunden konzentriert. Von daher schlagen Zuboff und Maxmin vor, dass eine Support Economy around the customer geschaffen wird.
Sie zeigen dies auf in interessanten Beispielen aus England, wo sie Pilotprojekte im Gesundheitsweisen mit der Regierung Blair durchführen, dessen Kernidee revolutionär ist. Eine Oekonomie in der Unterstützung des Kunden. Etwas was uns die Marketing Firmen einreiden, aber nie einlösen. Die Analyse ist sehr stringent und auch ein Stück genial, und sie zeigt, dass das alte Modell der Organisation ausgedient hat. Stattdessen braucht es Netzwerke von Organisationen, die diese Dienstleistung wieder herstellen und welche die Bedrüfnisse des Kunden in den Mittelpunkt stellen.
Da Zuboff eine soziologische Perspektive vorschlägt, ist die Lektuere manchmal nicht einfach, sondern komplex. Absolut empfehlenswert für alle drei „Communities“. Sie wird ihr Werk, das bei uns so gut wie unbekannt ist, in der nächsten „Profile“ vorstellen.
Das Buch liefert die bei uns fehlende Analyse von gesellschaftlichen Prozessen, welche zu einem Zerfall unserer Makrostrukturen führen werden. Ein absolutes Muss für Manager und Berater!
aus Profile 11, 2005, Gerhard Fatze