Marcus Miller hat seit Ende der 70er hunderte von CD-Aufnahmen im Studio für andere Musiker gemacht - als Studiobassist. Unter Bassisten gilt er seit langem als Vorzeigebild für perfekte, saubere Technik, wobei er besonders als Slapper bekannt ist. In seinem Soloalbum The Sun Don't Lie zeigt er, dass er mehr drauf hat. Jedes der Stücke beinhaltet natürlich ein Basssolo, das man in jedes Lehrbuch schreiben könnte. Oft geslapt zeigt er was er kann, und dazu gehört auf jeden Fall Grooven. Doch die besten Techniker und Instrumentalisten klingen langweilig, wenn das Material über dem sie spielen nicht dazu passt. Miller ist allerdings auch als Arrangeur kein unbeschriebenes Blatt (siehe Tutu von Miles Davis), und er hat sich bei diesem Album wirklich ins Zeug gelegt, um ein homogenes Werk zu schaffen. Die Stücke klingen nicht wie Basssolo mit Begleitmusik, es kommt einem eher wie das natürlichste der Welt vor, dass den Grossteil der Zeit ein Bass die Hauptrolle spielt. Die groovebetonten Stücke dieser CD, die sich mit den ruhigeren abwechseln, sind eindeutig als die Gelungeneren zu betrachten, auch weil die Ausdrucksstärke eines (geslapten oder getappten) E-Basses bei Balladen begrenzt ist. Dafür gibt es wohl kaum ein Instrument, das mehr Grooven kann, und wie schon gesagt, das ist eine Stärke von Miller. Das Album beinhaltet gleich drei Stücke, die als Homagen zu werten sind: Mr. Pastorius, das dem legendären Bassisten Jaco Pastorius gewidmet ist, ebenso wie Teen Town, das ein Remake vom Pastorius-Original ist, das Miller eben man schnell slappt! Das dritte Stück, das einem anderen Musiker gewidmet ist, ist The King is Gone, das wegen dem traurigen Anlass von Miles Davis' Tod entstanden ist. Der Trompeter war der zweite grosse Einfluss für Miller, und hat sogar noch auf Rampage, einem Stück dieser CD, gespielt. Diese Platte ist für Bassisten ein Muss, aber auch Nicht-Bassisten werden daran Spass haben, wenn sie etwas mit Jazzfunk anzufangen wissen. (Dies ist eine Amazon.de an der Uni-Studentenrezension.)