Ich gebe keine Rezension ab, ohne ein Buch vollständig gelesen zu haben. Bei THE SUMMONER, dem Auftakt der Chronicles of the Necromancer von Gail Martin, war ich jedoch versucht meine Prinzipien in den Wind zu schießen. Denn für jemanden, der viel Fantasy liest, ist ein derart klischeelastiger, berechenbarer und handwerklich unreifer Roman eine Qual. Genausogut hätte ich ein D&D Rollenspiel lesen können.
THE SUMMONER ist das Bilderbuchbeispiel für eine Heldenreise: Der tugendhafte Prinz ist auf der Flucht vor seinem bösen und verrückten Bruder, der den Rest der königlichen Familie umgebracht hat. Der böse Prinz wird von einem Schwarzmagier unterstützt, der ein Vampir ist, und eine finstere Macht herbeirufen möchte.
Begleitet wird der tugendhafte Prinz von seinen treuen Gefährten, einem fröhlichen Barden und einem bärbeißigen Kapitän der königlichen Garde. Sie wollen Verbündete im Kampf gegen den Prinzen finden und die magischen Kräfte des Prinzen freisetzen. Wenn der tugendhafte Prinz sich nicht gerade bemitleidet, legt er Geister zur Ruhe und gabelt weitere Gefährten auf: eine rothaarige Kriegerprinzessin auf der Suche nach Rettung und einem Gemahl, ein gewiefter Söldner, eine gütige Heilerin etc. Zum Glück muss der tugendhafte Prinz selten Entscheidungen treffen oder aktiv werden, denn bei jeder Gelegenheit wird er von seiner toten Großmutter, der Göttin oder einer ihrer Priesterinnen und in die richtige Richtung geschubst.
Um eine solche Geschichte zu erzählen, sollten 300 Seiten ausreichen. Martin schafft es ihren faden Fantasyeinheitsbrei auf mehr als das Doppelte zu strecken.
Meine Hoffnung, dass Figuren (die Bezeichnung Charaktere verdienen sie nicht) an Tiefe gewinnen würden, erfüllte sich nicht. Stattdessen konnten manche nicht einmal in ihren stereotypen Rollen überzeugen (der unfähige Kapitän war ein besonderes Ärgernis, ebenso wie die ständige Selbstgeißelung und Passivität des Prinzen). Dass manche von ihnen zumindest äußerlich Animeefiguren glichen (hübsche Jungs mit schrägen Haarfarben) und hölzerne Dialoge produzierten, setzte dem Fiasko die Krone auf.
Trotz Namenähnlichkeit(gewiss kein Zufall), kann Gail Z. Martin einer Größe wie George R. Martin nicht das Wasser reichen. Die beiden Autoren stehen für völlig gegensätzliche Strömungen im Fantasybereich.
Für Gail Martin ist auf jeden Fall keineEmpfehlung drinnen, eher eine Warnung.
The Chronicles of the Necromancer: The Summoner,
The Blood King,
Dark Haven