"The street" ist eine BBC-Serie, die von Jimmy McGovern (der Autor der meisten "Fitz"-Folgen") produziert und z.T. auch geschrieben wurde. In sechs Episoden mit je 60 Minuten werden Geschichten von jeweils Bewohnern eines Hauses einer Straße in Manchester erzählt. In den verschiedenen Episoden treten auch mal Hauptfiguren aus anderen Episoden auf und es gibt Bezüge zu anderen Geschichten. Das ist aber gering ausgesprägt, im großen und ganzen steht jede Episode für sich.
Im einzelnen:
* Folge 1: Ein Kind wird angefahren. Der Autofahrer hatte eine Affäre mit der Mutter des Kindes. Es geht um Schuld und Verdrängung und die Angst um ein Kind in Todesgefahr. - Die stärkste Episode. Präzise und dicht gespielt. Menschlich und dramaturgisch tiefgehend und mit Durschlagskraft.
* Folge 2: Ein Mann Anfang Sechzig wird in Rente geschickt. Er fühlt sich nutzlos und will sich umbringen. Es geht 'klassisch' um die Übergangsprobleme vom Beruf in die Rente und Identitätprobleme von Männern in diesem Alter. - Für mich eher mittelprächtig. Ich finde das Theme per se nicht sehr ansprechend und etwas ausgelutscht. Es werden keine neuen Perspektiven eröffnet, man bleibt psychologisch eher oberflächlich und das Ende ist etwas kitschig.
* Folge 3: Ein Lehrer, der beim Joggen nur mal im Park an einen Baum pinkelt, wird des Exhibitonismus verdächtigt. Sein Leben gerät aus den Fugen. - Eine gute Parabel über die mögliche Überspanntheit von ausgeprägten Kinderschutze. Psychologisch eng. Dramaturgisch nicht übertrieben und mit feiner Präziszion beschrieben.
* Folge 4: Ein junger begabter Kerl, der mit seinem blinden Vater lebt, soll Fußballstar werden. Aufgrund eines Fehlverhaltens wird er aus dem Team geworfen. Er beginnt mit Drogengeschäften und bekommt reichlich Ärger. - In der Story mir etwas zu übertrieben und dramatisch. Außerdem mag ich Fußballstories nicht so sehr. Nervt mit vielen schnellen Schnitten und lauter Musik. Hat aber ein paar starke Szenen.
Folge 5: Eine heiter-melancholische Geschicht über einen Taxifahrer, der einen afrikanischen Asylbewerber in ein Heim fahren soll. Dort nimmt man ihn aber nicht und so nimmt der Taxifahrer ihn mit nach Hause... - Teilweise witzig, anrührend und angenehm leicht daherkommend. Oft aber auch zu klischeehaft (der gutmütige, herzige Afrikaner...) und gutmenschig.
Folge 6: Eine junge Ehefrau mit zwei Kindern wird von ihrem Mann misshandelt. Mit Hilfe von Mutter, Schwester und derem Freund will sie sich befreien, was aber nicht gleich gelingt. Die Katastrophe nimmt ihren Lauf. - Teilweise bedrückend, beklemmend gespielt mit düsterer Atmosphäre. Leidet aber (a) unter der Wiederholung von immer gleichen Sätzen und (b) unter dem so doofen Verhalten der Ehefrau, dass es dramaturgisch nicht sehr überzeugend wirkt.
Fazit: Von den Geschichten her mit Glanzpunkten, aber auch Schwächen, v.a. Neigungen zu vorgestanzten Motiven, Charakteren und Dialogen, gelegentlich fast kitschig. Auf der anderen Seite z.T. sehr präzise Sicht auf Pschologie und Gesellschaft (aber nicht auf dem Niveau von "Fitz"). Schauspielerisch (mit sehr vielen bekannten britischen TV-Schauspielern) weitgehend toll gemacht. Oft übertriebener, nerviger Einsatz von Musik. Eine gute Produktion, aber keine sehr gute.