Es gibt für jeden Musikliebhaber Schlüsselerlebnisse. Ein großer Moment war der Kauf dieses Silberlings (damals noch auf Vinyl) insofern, als dass er sich für meine Ohren nahtlos in meine Independent Ecke zusammen mit The Jesus and Mary Chain und den Smiths stecken ließ, und doch etwas Neues, Frisches ausstrahlte - ein Schlüsselerlebnis eben und gleichzeitig eine musikalische Rückbesinnung auf einen Sound britischer Prägung, der an The Action und die frühen Pink Floyd Veröffentlichungen erinnert. Geradlinige Bassläufe, intelligentes (und dabei sparsam eingesetztes) Gitarrenspiel eines scheinbar mit Johnny Marr seelenverwandten John Squire und ein irdischen Klängen entschwebender Gesang kennzeichnen das Bild einer Band, die es schwer haben sollte, ihren Erstling zu übertrumpfen (und daran auch scheiterte). Neben der ursprünglichen Tracklist mit meinen Favourites "I am the resurrection" und "I wanna be adored" taucht auf CD I zusätzlich das epische "Fool's Gold" auf, das auch eingefleischte Shoegazer die Tanzfläche stürmen ließ. Auf CD II ergänzt Demomaterial mit bereits auf der "Turns into Stone" veröffentlichten Songs die Ausläufer dieses grandiosen Debutalbums, wobei das wichtige Signaturlied "Sally Cinnamon" unverständlicherweise unter den Tisch gekehrt wird. Dass die Stone Roses keine wirklich gute Liveband waren beweisen die enthaltenen Bühnenstücke, auf die ich gerne verzichtet hätte - ohne Studioreverb ist ein stimmlich unzuverlässiger Ian Brown einfach nicht zu gebrauchen. Doch überwiegt die Freude über eine gelungene Würdigung einer Band, die in ihrer Hebammenfunktion nicht nur half, den Manchester Rave zu gebären, sondern darüber hinaus Britpop Bands von Pulp über Blur bis Oasis inspirierte, nicht zu vergessen die tausende von "Individualisten", die bei ihren Stammfriseuren um eine John Squire Frisur bettelten ... Einfach hervorragend!