Ich war Anfang der 90er ein absoluter Fan von Deicide. Vor allem das selbstbetitelte Debut und das zweite "Album" Legion waren über einige Jahre hinweg das Maß aller Dinge im Sicko Death-Metal.
Da auch - im Gegensatz zur Wurst - alles mal ein Ende hat, wurde mir das Gerumpel irgendwann zu langweilig und der vorher als "ungemein satanisch" (höhöö) empfundene zweistimmige kreisch-grunz Gesang zu läppisch. Abgesehen davon hat sich Chef-Deibel (Debil?) Benton in verschiedenen Interviews dermassen als Vollspacken geoutet, daß ich die Band ab der dritten CD komplett ignoriert habe und allenfalls zur Erheiterung mal das eine oder andere Interview gelesen habe.
Bei dieser CD ist jedoch einiges anders. Zunächst hat Benton die langjährigen Gitarristen, die Gebrüder Hoffmann vor die Tür gesetzt und sie durch das Traumduo Ralph Santolla (ex- Iced Earth) und Jack Owen (ex- Cannibal Corpse) ersetzt. Alleine dies hat mich schon neugierig gemacht, weil erstend die Kombination der jeweiligen ex-Bands skurril scheint und vor allem weil Jack Owen seinen Ausstieg bei Cannibal Corpse mit fehlendem Interesse an Death Metal und Überdruss am Musikbusiness allgemein begründet hat.
Hört man sich die unglaublich exzellente und vielseitige Gitarrenarbeit auf der CD an, so wird einem schnell klar: der Mann war bei Cannibal Corpse nicht ausgelastet. Offenbar war er es leid immer und immer wieder den gleichen Stiefel runterzuschrammeln. Anders sind Soloexplosionen wie im Titelsong oder "Death To Jesus" kaum zu erklären.
Auch Benton gibt sich deutlich entspannter und im Nachhinein muss man sich vielleicht eingestehen, seinen derben Humor oft einfach zu ernst genommen zu haben.
Musikalisch ist die CD auf der einen Seite Deicide pur- straighter Death Metal, größtenteils schnell mit amtlichen Blastbeats mit den oben genannten Sicko-Vocals. Auf der anderen Seite hat nahezu jeder Song eine perfekt auskomponierte Instrumental-Passage, die eine echte Leistungsschau der beiden Gitarreros ist. Ob Unisono, Zweistimmig oder Dual-Leads - die Jungs haben es verdammt nochmal drauf und brauchen sich hinter keinem Saitenhexer verstecken.
Und genau diese Mischung macht diese Platte so außergewöhnlich - sie spricht ungleich viel mehr Leute an, als die bisherige Deicide-Fangemeinde. Die Songs sind nachvollziehbar arrangiert, rasant gespielt aber so niveauvoll, daß hier auch Langzeitpotential vorhanden ist. Für mich die Death Metal Scheibe 2006!