Beeindruckend fand seinerzeit Herr Vader die Fähigkeiten seines Sprösslings Luke Skywalker. Mindestens genauso beeindruckend ist dieser prächtige Band, der anlässlich des 30. Jubiläums der "Star Wars" erschienen ist: "The Star Wars Vault" heißt er und ist ein buntes Sammelsurium, das die Erfolgsgeschichte der populären sechsteiligen Filmreihe in Text und Bild nachzeichnet. Die Highlights des informativen Bandes sind aber die Nachdrucke von verschiedenen Fan- und Werbeartikeln aus den letzten 30 Jahren sowie zwei CDs, die mit selten zu hörendem Audiomaterial aufwarten.
"Vault" dürfte man wörtlich wohl mit "Gewölbe" oder "Keller" übersetzen, sinngemäß sollte man's aber wohl eher als "Archiv" oder vielleicht auch "Dachbodenfund" verstehen. Die deutsche Ausgabe mogelt sich mit der Schein-Übersetzung "Collection" ums Problem herum - was insofern legitim ist, als es sich bei den zahlreichen Reproduktionen, die das Buch zu etwas Besonderem machen, in der Tat um Nachdrucke von Stücken aus einer Sammlung handelt.
Die befindet sich im Besitz eines gewissen Stephen Sansweet, und der trägt anscheinend seit Jahr und Tag so ziemlich alles rund um die "Star Wars"-Filme zusammen, was sich sammeln lässt.
Ich selbst bin großer Fan der Filme, nicht aber unbedingt ein eingeschworener Sammler von Fan-Artikeln. Für die "Star Wars Vault" habe ich eine Ausnahme gemacht, denn die ist wirklich nur auf den ersten Blick ein Buch. Auf den zweiten Blick ist der Band, ganz zeitgemäß, ein Artikel mit einer Menge an zusätzlichen Mehrwerten. Die Entwicklung, Medien mit mehr oder sinnvollen Zugabe-Artikeln auszustatten, ist im Bereich der CD und DVD ja seit geraumer Zeit zu beobachten; offensichtlich greift sie auch auf gewisse Teile des Buchmarktes über.
Die in einer stabilen Kassette ausgelieferte "Star Wars Vault" bietet unter anderem zwei CDs; die habe ich bislang nicht einmal angehört, aber das muss ich gar nicht, um bereits hellauf begeistert zu sein. Die "Star Wars Vault" ist auch so schon so vieles, das mir gefällt und das mich anspricht: Sie ist eine Zeitreise, ein Spielbuch für große Kinder und jung gebliebene Erwachsene, ein produktionstechnisch aufwendig gestaltetes Buch für Bibliophile und, last but by no means least, ein bunter Katalog, der ein Stück Pop-Kulturgeschichte dokumentiert - nicht nur zum Anschauen, sondern auch zum Anfassen:
Die "Star Wars Vault" bietet Reproduktionen von Bügelbildern, Aufklebern, Rubbelbildern samt zugehöriger Dioramen und vieles, vieles mehr, das zum Staunen einlädt. Hier lässt sich ein farbig bedruckter Bogen entnehmen, aus dem man einen "Land Speeder" basteln kann, dort ein Streifen mit Aufklebern, auf denen der dritte Teil der Saga noch nicht "Return of the Jedi" heißt, sondern "Revenge of the Jedi". Beeindruckend finde ich auch den Nachdruck einer japanischen Zeitungs-Beilage, die "Star Wars"-Charaktere für eine Videokamera werben lässt: Die holzschnittartig wirkende Grafik, in der sich Figuren aus den Filmen tummeln, ist im Stile alter japanischer Drucke gestaltet - wenn sich der Künstler Hokusai (1780-1849) des "Star Wars"-Themas angenommen hätte, es wäre vielleicht etwas dabei herausgekommen wie das Motiv dieser großformatige Anzeige.
Die vielen verschiedenen Zugabe-Artikel unterscheiden sich auch hinsichtlich der verwendeten Träger - will heißen: Bügel- und Rubbelbilder befinden sich auf Transferfolie, die Reproduktion einer so genannten "production cel" aus einem Zeichentrickfilm ist auf transparenter Folie gedruckt worden. Auch die anderen Beigaben sind auf teils sehr unterschiedlichen Papieren gedruckt worden. Man ahnt es: Hier wurde Aufwand betrieben - und irgendwer musste die Zugabeartikel ja hinterher noch von Hand in die Einlegetaschen im Buchinneren legen.
Das wird auch finanziell aufwendiger gewesen sein als eine herkömmliche Buchproduktion, und so wundert es mich nicht, dass das Buch seinen Preis hat.
R e s ü m e e
Die Sammel-Kassette "The Star Wars Vault" ist ein perfektes Geschenk, das popkulturell interessierten Fans der ersten Stunden eine Zeitreise der angenehmsten Art beschert. Kinder aus der Episode I"-Generation werden dem Band wahrscheinlich weniger abgewinnen können und sind mit anderen Publikationen sicher besser bedient.