Als Aragonès und Evanier noch nicht und Cooke nicht mehr zur Verfügung standen, sprangen einmal mehr drei Autoren mit Kurzgeschichten ein. Was schon in Band 2 funktioniert hat, funktioniert auch im vorliegenden Band. Natürlich verfügen diese Kurzgeschichten nicht über eine sonderliche inhaltliche Tiefe, aber sie verbreiten gekonnt eingesetzte Ironie. Gleichzeitig zeigen sie auch den roten Faden des Bandes auf. Der Spirit löst jeden noch so komplizierten Fall, setzt sich erfolgreich mit Dolan auseinander, aber bei Frauen ist er weitgehend machtlos. Dies mag nicht sonderlich neu sein, aber der Kontext wird für jede Story, die dieses Thema zum Inhalt hat, wieder erfunden. Und genau das macht u.a. den Charme der Stories aus. Gerade diese Kurzgeschichten verbreiten auch wieder die gute, alte Zeitungsstrip-Atmosphäre aus den 40er Jahren.
Das Debüt von Aragonès und Evanier verläuft ebenso erfolgreich. Vielleicht wird Dolan zumindest in der ersten Story als eine Spur zu dämlich überzeichnet, aber das nivelliert sich in den restlichen vier Stories wieder. So mag auch der Schlussgag der Story um die Medizin-Studenten vorhersehbar sein, aber auch das spielt eine eher untergeordnete Rolle, denn dieser Gag zündet.
Die Stories # 15 und 17 führen den Spirit aus seiner gewohnten Umgebung. Die Autoren beweisen, dass der Spirit gerade nach Frankreich passt. Mit großem Schmunzeln habe ich zur Kenntnis genommen, dass Aragonès und Evanier noch nicht bemerkt haben, dass die aktuelle Währung in Frankreich der Euro ist und der Franc der Geschichte angehört. Aber auch diese Mini-Panne erhöht das Charme-Potential des vorliegenden Bandes.
In der Story um den ermordeten Schauspieler wird natürlich die Klatsch-und-Tratsch-Mentalität Hollywoods aufs Korn genommen. So tappt der Spirit so lange im Dunkeln, bis er sich nicht mehr an Gerüchte, sondern an Fakten hält.
Zum neuen Konzept der Stories gehört auch, dass unterschiedliche Künstler tätig werden. Hierzu zählt u.a. auch Eduardo 100 Bullets" Risso, der eine Kurzgeschichte gezeichnet hat. Besonders Aragonès zeigt seine Schule aus MAD. Er beobachtet das Zeitgeschehen und ironisiert dies in seinen Stories. Hierzu zählt eben der Klatsch und Tratsch im Film-Business.
Einige Aspekte, die bereits Cooke eingesetzt hatte, verwenden die Autoren weiterhin. So wird beim Spirit schon einmal aus einem Blackberry ein Palmberry.
Dadurch, dass der Spirit zwar jeden Fall löst, aber mit Frauen nicht wirklich klar kommt, steht er am Ende einer Story eben nicht immer als der strahlende Held da, sondern wirkt immer ein wenig angeschlagen. Auch Elemente wie Schlägereien und Mord sind dem Film Noir Genre entliehen und werden für den Spirit neu eingesetzt. So sind sämtliche Anspielungen wunderbar pointiert und das Timing ist erstklassig. Genau deswegen wirkt der eingesetzte Humor auch nie platt, sondern unterhält prächtig.
Gewinner ist in jedem Fall der Leser, der sich bestimmt noch auf einige Fortsetzungsbände freuen darf.