Darwyn Cooke ist entweder wahnsinnig oder mutig, dass er in die großen Fußstapfen eines Will Eisner's, der das Medium Comic gleich dreimal neu erfunden hat, Fußstapfen tritt und neue Stories um und über den Spirit erzählt.
Dabei muss er dem Spirit nicht nur einen zeitgemäßen Anstrich in Form eines neuen Story Tellings, einem neuen Zeichenstil und einer modernen Kolorierung verpassen, sondern ihn auch neu konzipieren, denn Will Eisner hatte den Spirit als 7-seitige Beilage zur Sonntagszeitung erfunden. Heute schreibt Cooke Stories im herkömmlichen Comic-Format von 22 bis 24 Seiten.
So verwendet Cooke auch gleich in seiner ersten Story das TV und nicht mehr die Zeitung als das Medium, auf das sich der Spirit bezieht.
Natürlich ist auch Ebony nicht nur optisch verändert, sondern tritt auch eher als Gefährte und nicht mehr so sehr als Diener auf.
Damals in den 40er Jahren, als die Welt das Licht des Spirits erblickte, wie auch heute spielten und spielen Frauen eine große Rolle. Auch diese agieren wesentlich moderner, selbstbewusster und eigenständiger als vor 60 Jahren. Satin Silk ist zum Beispiel eine der coolsten Frauen, die in den letzten Jahren für die Neunte Kunst entwickelt wurden. Selbst Ginger Coffee als nervige TV-Moderatorin verfügt über eine gewisse Ausstrahlungskraft. Auch P'Gell bietet dem Spirit die Stirn, so dass sie nicht nur hübsches Beiwerk" zu einer Spirit Story sind, sondern einen Plot auch inhaltlich mittragen.
Neu ist auch, dass der Spirit ein etwas engeres Verhältnis zu einer Frau pflegt, die für ihn im Internet recherchiert.
Nur teilweise gelungen ist der Versuch, die Origin des Spirits neu zu erzählen. Ähnlich wie John Byrne dies bei Spider-Man nicht gänzlich gelingt, überzeugt auch Cooke mit dieser Story nicht nachhaltig. Hierfür war einfach die erste Story Eisners inhaltlich und dramaturgisch zu kompakt. Gleichwohl kann ich es nachvollziehen, dass Cooke nach über 60 Jahren diese Story den neuen Fans des Spirits nahe bringen will.
Die Story um Satin Silk erinnert wieder mehr an die klassischen Stories, denn der Schluss-Dialog wird mit dem Leser geführt. Dies war ein Stilmittel, auf das auch Eisner gern zurückgegriffen hat, um eine moralische Botschaft zu vermitteln. Hieran lehnt sich Cooke wunderbar an.
Amüsiert habe ich mich auch um den Urheberrechtsstreit, der in der vorletzten Story des Bandes zum Thema gemacht wird. Dies sind genau die Momente, die den Spirit so erfolgreich in die Gegenwart transportieren. Wie Will Eisner reflektiert auch Cooke den Zeitgeist und übt versteckt Kritik an der Überzuckerung der Kinder in en USA.
Die moralische Keule packt Cooke in der Schlussstory des vorliegenden Bandes aus, denn in ihr wird der Drogenmissbrauch problematisiert. Es wird klar und deutlich die Botschaft vermittelt, dass die psychische Abhängigkeit größer und schlimmer ist als die physische.
Cooke gelingt es meisterhaft, den Charme, den Inhalt und die Aussage des Spirits, den Will Eisner vor über 60 Jahren entwickelt hatte, in die heutige Zeit zu transportieren und herüberzuretten.
Dieser Spirit wird alte Leser hinzuziehen und auch neue gewinnen.