Nicht mal ein Jahr war vergangen, daß Album Nr. 5 "Year Zero" veröffentlich wurde u. schon gab es aus dem Hause Reznor nach "Ghosts I-IV" schon wieder einen Output - "The Slip" stand im Mai auf NIN.com zum Gratisdownload bereit.
Musikalisch hätte "The Slip" sehr gut zwischen die Alben "With Teeth" (anhand der Songstrukturen) u. "Year Zero" (bezüglich des Sounds) gepasst, wäre für mich DER Brückenschlag zwischen diesen beiden Alben gewesen.
Nun habe ich es schon ein paar Wochen lang gehört u. irgendwie werde ich mit diesem Album nicht wirklich warm.
Das ist komisch, denn beinhaltet es eigentlich alles, was NIN ausmacht. Man findet ordentliche Brecher ("Letting You", "Head Down"), ruhige Intrumentals ("Corona Radiata", "The Four Of Us Are Dying") u. auch eine recht poppige Einlage ("Discipline"), die mich an "Only" oder "The Hands That Feeds" von "With Teeth" erinnert.
Zudem bietet Reznor mit "Echoplex" u. "Demon Seed" dann auch die verfrickelteren Tracks, die Spannung erzeugen, ohne unnötig an der Lautstärke zu drehen.
Klingt zunächst durchweg positiv, nur kommt es mir so vor als hätte ich Vergleichbares bereits in den letzten Jahren von den Nine Inch Nails gehört.
Alles wirkt eine Spur schwächer als die Songs, die man von den anderen Veröffentlichungen kennt. So klingt "Demon Seed" z.B. so, als hätte es diese Nummer nicht auf "The Fragile" geschafft oder "Discipline" so als wäre es bei der Songauswahl zu "With Teeth" durch's Raster gefallen.
"Letting You" oder "Head Down" hätten es von der Härte her auf die "Broken EP" oder "The Downward Spiral" schaffen können, wenn sie qualitativ mit diesen Tracks vergleichbar wären.
So hinterlässt "The Slip" einen etwas faden Beigeschmack u. den Eindruck eines "Schnellschusses". Als Fangeschenk, für das man keinen Cent zahlen musste ist es sicherlich über viele Zweifel erhaben, aber mich überkommt das erste mal das Gefühl, vomn einem NIN-Album nicht hundertprozentig befriedigt worden zu sein.
Natürlich ist "The Slip" im Vergleich zu anderen Veröffentlichungen im Rock-Industrial-Bereich ein gutes Album (besonders "Echoplex" kann trotz aller Kritik ordentlich punkten, genau so wie "1,000,000"), aber als langjähriger NIN-Fan, dem zuletzt "Year Zero" sehr gut gefallen hat, erwartet man schon ein wenig mehr. Andere Veröffentlichungen von NIN sind bis heute einfach packender, daher: 3 Sterne.
PS:
Die DVD beinhaltet übrigens laut meiner Kenntnis die Rehearselaufnahmen zu "1,000,000", "Letting You", "Discipline", "Echoplex" u. "Head Down".
Ein netter zusätzlicher Kaufanreiz, den man als Fan jedoch auf NIN.com bereits gesehen hat.